Blogbuster: Autoren-Video von Lukas Vering

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Lukas Vering, den Autor meines Blogbuster-Favoriten, habe ich hier ja schon per Steckbrief sich vorstellen lassen, und jetzt gibt es auch noch ein Video in bunt und Farbe von ihm, um objektiv zu beweisen, dass er ein so sympathischer wie talentierter Autor ist. Leider war es ihm mangels Equipment nicht möglich, ein aktuelles Video aufzunehmen, darum ist dieses schon zwei Jahre alt, aber das ist eigentlich nur gut, denn in den letzten zwei Jahren haben Talent und sympathisches Charisma noch einmal SO zugenommen, dass das jede Kamera sprengen würde (glauben Sie mir, ich bin sehr vertrauenswürdig):

Lukas V. – Revier-lovin‘ Literat from Kathi Neuh on Vimeo.

#loveisintheAir

Zum Weltfrauentag – Was mich diese Woche so alles gestört hat.

Mittwoch war Weltfrauentag und ich habe viele lustige Glückwunsch-Bildchen bekommen. Stefanie Sprengnagel hat zum 8. März etwas anderes bekommen – eine Hetzkampagne in der Krone. Die Folgen kann man auf ihrem facebook-Profil nachlesen (eine Zusammenfassung der Ereignisse kann man auch hier lesen), das geht von Beschimpfungen bis zu dem Wunsch, die möge doch vergewaltigt werden, und lustiger weise wurde sie nun von facebook für 30 Tage gesperrt – nicht die Leute, die da gegen sie hetzen. Man könnte ja meinen, dass irgendwer aus diesem spaßigen Literaturbetrieb, der die Möglichkeit hat, medienwirksam zu publizieren, so zum Beispiel irgendein Feuilleton-Fritze oder so, dazu mal Stellung beziehen könnte, wenn mit einer Autorin so umgegangen wird. Da ist man doch bei jedem Zeichner von Karikaturen, dem irgendwas angedroht wird, sonst auch recht schnell mit dem abgelutschten Voltaire-„Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“-Gelaber zur Stelle. Warum eigentlich bei Sprengnagel nicht? Weil das nicht so schlimm ist, wenn man einer Frau wünscht, dass sie vergewaltigt ist, oder weil sie zu links, zu feministisch ist, oder weil sie ja nur so eine Frau ist, die im Internet schreibt? Nur um das mal festzuhalten: Stefanie Sprengnagel hat in den letzten Jahren in Punkto „öffentlich Diskurse führen“ und „Sozialkritik“ definitiv mehr Mut und mehr Engagement bewiesen als das Feuilleton von FAZ, SZ und der Zeit zusammen. Man muss nicht alle Debatten, die sie lostritt, sinnvoll finden, man muss nicht alle ihre Standpunkte teilen – aber man könnte ja mal ihr Recht dazu, dies zu tun, verteidigen, und ihren Mut, das in einem Österreich, das in weiten Teilen Hofer für wählbar hält, zu machen, zu schätzen wissen. Wenn man von „engagierter Literatur“ spricht, schätze ich, dass wir inzwischen von Sprengnagel reden müssen. Dass das Feuilleton hier schweigt, zeigt für mein Empfinden viel deutlicher als die Anzahl der Autorinnen auf den Shortlists zu Literaturpreisen, welche Bedeutung eine Frau, zumal dann, wenn sie sich klar für Frauenrechte einsetzt, für den Literaturbetrieb hat. Das ist schon eher peinlich.

Und dann war Freitag in München im Literaturhaus die Lesung der Chamisso-Preisträger Senthuran Varatharajah, Barbi Markovic und Abbas Khider. Und mal abgesehen davon, dass der Moderator der Lesung fahrig und unvorbereitet wirkte, hat er Varatharajah tatsächlich gefragt, wie das denn sei, mit so einem Namen, der den Leuten hier so schwer falle, in Deutschland als Autor zu leben. So eine Frage führt natürlich unter dem kulturbürgerlichen Publikum zu einem erlösenden „Hühühü“, hat man doch selbst noch auf der Toilette kurz vor Beginn der Lesung Witzchen über die Unaussprechbarkeit dieses Namens („Wie soll man das aussprechen? Valalalala?“ „Hühühü“) gemacht und sieht jetzt „Hach, wie drollig, sogar der Mann vom SZ-Feuilleton findet den Namen schwierig, na dann hatte ich ja Recht mit meinem harmlosen Späßchen, hühühü“. Keine Ahnung, wieso diese Leute, wenn sie Namen, die nicht „Müller-Lüdenscheit“ lauten, so ulkig finden, zu einer Chamisso-Preis-Lesung gehen, und keine Ahnung, wie diese Leute es verarbeiten, wenn Varatharajah darauf mit Recht antwortet, nachdem er seit 33 Jahren in Deutschland lebe, könne er wohl mit Recht auch sagen, dass sein Name ein deutscher Name sei. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass jemand, der eine Veranstaltung im Umkreis des Chamisso-Preises moderiert, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl zeigt und solche Fettnäpfchen meidet. Noch viel mehr hätte ich mir gewünscht, dass Leute, die Witze über Namen machen, bitte zu Hause bleiben, statt zu meinen, sie wären allein deswegen schon irgendwie frei von Ressentiments, weil sie zu dieser Lesung gehen.

Am allermeisten hätte ich mir aber gewünscht, dass sich der Moderator wenigstens vor der Veranstaltung auch nur den Wikipedia-Artikel zu Barbi Markovic durchgelesen hätte, denn hier war die Veranstaltung wirklich beschämend: Er stellte sie mit ihrem Namen vor, nannte den Titel des Romans, bat sie, den Roman hochzuhalten und sagte „und das Cover macht ja auch schon Interesse auf mehr“. Er hätte ja auch „darin kann man gedruckte Wörter und Sätze lesen“ sagen können. Mal abgesehen von dann folgenden random-Fragen wie der danach, warum sie sich „Barbi“ nenne und nach ihrem Geburtsort (beides hätte er im Wikipedia-Artikel nachlesen können, beides hätte Teil seiner Vorstellung der Autorin sein können), verstand er mitunter offensichtlich die Antworten der Autorin nicht. Zum Beispiel wenn diese ihm erklärte, wie sie Verfahren von Döblin aus „Berlin Alexanderplatz“ zu aktualisieren und zu radikalisieren versucht habe, woraufhin er quasi die Frage nochmal stellte, die sie damit eigentlich gerade beantwortet hatte. Oder dann, wenn diese die Superkraft der „Auslöschung“ erklärte, die die Superheldinnen in „Superheldinnen“ eben haben und mit der diese eine Person aus ihrer jetzigen Existenz in eine glücklichere verpflanzen können. Daraufhin fragte der Moderator, ob sie nicht dasselbe tue, wenn sie Texte von Thomas Bernhard oder Döblin popkulturell verfremde, also, ob sie die Texte und die Figuren damit auch in eine glücklichere Existenz verpflanze. Hätte er zugehört, als die Autorin aus „Superheldinnen“ vorgelesen hatte, hätte er hören können, dass sich die Figuren in diesem Roman einsam und unglücklich fühlen – insofern blieb der Autorin, die bei all dem wirklich sehr gefasst blieb, ja nichts anderes übrig, als ihm zu sagen, dass dies ein interessanter Gedanke sei, den sie aber nicht gehabt habe. Er hätte ja wenigstens in die Bücher der Autorin, mit der er da sprechen sollte, hineinlesen können. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat der Abschluss der Lesung, bei der sich der Moderator bei der Autorin und den Autoren bedankte, vor dem Sagen ihres Nachnamens „Barbi [lange, peinliche Pause] Markovic“ aber so lange zögerte, dass man den Eindruck bekam, dass er gerade ernsthaft überlegen musste, wie diese Frau da überhaupt heißt. Es war furchtbar peinlich. Es hätte vermutlich viele interessante Fragen gegeben, die man Barbi Markovic hätte stellen können – zu ihrer Arbeitsweise, zu ihrer Sicht auf Sprache, zu ihrer Sicht auf das Thema „Stadt“, aber dazu hätte man vorher recherchieren müssen, und wenn man das halt nicht tut, kann man keine interessanten Fragen stellen. Und wenn man das nicht kann, dann kommt halt nur Quark raus, dann bekommt der Zuhörer den Eindruck, dass der Moderator nichts über die Autorin weiß, und dann ist vor allem der Interviewteil zu der einen Autorin, die dort war, sehr viel kürzer als der zu den beiden Männern.

Internationaler Weltfrauentag hin und her: Die Gleichberechtigung der Frau im Literaturbetrieb hängt nicht einzig und allein an der Zahl der Auszeichnungen, die an Frauen vergeben werden, oder der Zahl der Nominierungen weiblicher Autorinnen. Daran auch, ja, das ist auch wichtig. Aber es hängt auch daran, wie man eigentlich damit umgeht, wenn eine Frau öffentlich angegangen wird (siehe Stefanie Sprengnagel), und ob jemand, der eine Lesung moderiert, sich auch mit der einen Frau (Barbi Markovic), die auch liest, auseinandergesetzt hat, oder doch lieber nur mit den beiden Männern, und ob die Redezeiten hier gleichmäßig verteilt sind. Da ist noch viel zu tun.

P.S.: Der Auszug aus „Superheldinnen“ von Barbi Markociv, den die Autorin vorgelesen hat, hat mir übrigens sehr gut gefallen, auch die Idee hinter ihrem anderen Buch, „Ausgehen“, finde ich spannend. Ich habe mir beide Bücher bestellt, und wenn ich jemals dazu komme, sie zu lesen, dann kann man das dann irgendwo hier lesen.

Blogbuster: Leseprobe aus „Air“ von Lukas Vering No. 2

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Falls ihr es schon vergessen haben solltet: Lukas Vering und ich wollen ja beim Blogbuster auf dem Glücksschwein zum Sieg reiten. Denn, Achtung, super Hashtag: #loveisintheAir

Bis wir das tun, könnt ihr die vollständige Leseprobe, mit der sich Lukas Vering beworben hat, hier lesen.

Und dann könnt ihr nochmal das schöne Video hier anschauen:

 

 

Ha Jin – Verraten

img_3174Ha Jin ist quasi eine literarische Jugendliebe von mir, als ich so 17 oder 18 war, habe ich viele seiner Bücher gelesen und sehr gerne gemocht. Als dann „Verraten“ 2015 erschien, habe ich mich darüber sehr gefreut, es gleich gekauft und dann natürlich ewig lange nicht gelesen. Irgendwas ist ja immer. Aber jetzt habe ich es endlich geschafft.

„Verraten“ ist die Geschichte von Gary Shang und seinen Familien, denn Gary führt gezwungenermaßen ein Doppelleben: Er hat sich in jungen Jahren als Spion für die chinesische kommunistische Partei in die amerikanische Botschaft eingeschlichen, und als sich diese mit dem Sieg der Kommunisten in China erst nach Japan und schließlich nach Nordamerika zurückzieht, geht Shang auf Befehl der Partei mit, um schließlich als wichtiger Spion innerhalb der CIA China zu dienen. Seine chinesische Frau, mit der er, kurz bevor er seine Arbeit in der amerikanischen Botschaft aufgenommen hat, durch seine Eltern verheiratet worden ist, hat er nur wenige Tage lang kennengelernt und dann, trotz einiger Versuche und wiederholter Bitten an die Parteiführung, nie wiedergesehen. Dass sie ihm Zwillinge geboren hat, hat die Partei Shang lange verheimlicht, dafür hat sie ihm empfohlen, in Amerika eine neue Familie zu gründen, was Shang dann auch getan hat. Die Tochter aus dieser Ehe ist die Erzählerin des Romans, die zum einen von ihren Recherchen über ihren Vater und ihrem Leben, zum anderen aber ausgehend von Tagebüchern des Vaters dessen Leben erzählt.

Und so erhält der Leser einen Überblick über die Geschichte Chinas seit den 1950er Jahren bis heute. Man erfährt sowohl von den Kämpfen der kommunistischen Partei, der Kollektivierung und der durch den „Großen Sprung nach vorn“ ausgelösten Hungersnot wie von dem angespannten Verhältnis Chinas zu Sowjetunion und USA wie von aktuellen Problemen Chinas: Belastete Lebensmittel und giftiges Milchpulver kommen hier genauso vor wie die Benachteiligung der chinesischen Landbevölkerung, Korruption und die Kritik junger Chinesen an dem zensierten Internet.

pine2c_plum_and_cranesVon alle dem erzählt Ha Jin in der ihm eigenen, sehr kargen Sprache, die mich immer an die alten chinesischen Gemälde, die man so kennt, erinnert: Mit ein paar klaren Pinselstrichen entstehen in diesen Landschaften, so wie Ha Jin mit ein paar wenigen, ruhigen Worten Geschichten zeichnet. Manche Formulierungen (die ich mir leider nicht notiert habe) sind leider etwas redundant oder schief, wobei man hier vermutlich die Übersetzung zumindest mitverantwortlich machen muss.

Wer einen spannenden Spionageroman oder gar einen Thriller erwartet, kennt Ha Jin nicht: Er entwirft – wie in allen seinem Romanen – Gesellschaftsbilder, dabei geht es weder um Spannung noch um Rührung. Und wie auch in „Warten“ und in „Kriegspack“ zeigt er auch in „Verraten“ vor allem, wie individuelles Lebensglück durch den chinesischen Staat zerstört wird, trotz aller Langmut und aller Redlichkeit der Figuren. „Verraten“ ist vor allem ein Buch, das sich sehr deutlich gegen einen unkritischen chinesischen Patriotismus wendet:

„Sei kein blinder Patriot wie Gary“ (S. 260),

ist der Rat, den die Erzählerin ihrem Neffen gibt – und ist die Botschaft, die Ha Jin durch sein Buch zieht. Gary Shang, zerrissen zwischen zwei Ländern und zwei Familien, hat sein Leben lang loyal und geduldig einem Land gedient, das ihn willentlich ausgenutzt und um sein Lebensglück gebracht hat, das ihn „verraten“ hat. Freiheit und Unabhängigkeit ist in diesem Roman dann auch für junge Chinesen nur zu haben, wenn sie China verlassen und sich von diesem Land lösen. Insofern ist das Buch auch ein Votum für Amerika, seine Freiheit und seinen Individualismus. Hier spiegelt sich vielleicht auch ein bisschen die Biografie des Autors – Ha Jin war ja selbst während der Kulturrevolution Soldat in China und emigrierte später in die USA.

Angesichts der nach wie vor herrschenden Verhältnisse in China, die ja eben auch thematisiert werden, ist „Verraten“ ein gutes, mutiges und wichtiges Buch, das so von Ha Jin wohl kaum hätte veröffentlicht werden können, wenn er noch in China leben würde. Wer sich für die jüngste Geschichte Chinas interessiert und noch keine großen Vorkenntnisse hat, dem sei dieser Roman empfohlen. So gut wie „Warten“ ist es leider nicht, aber trotzdem: Ein gutes Buch, das ich gern gelesen habe. Bei dem ich mir aber fast sicher bin, dass viele es – eben weil es ein sehr ruhiges, nüchternes Buch ist – langweilig finden würden. So habe ich es aber nicht wahrgenommen.

Blogbuster: Leseprobe aus „Air“ von Lukas Vering

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Inzwischen sind stehen ja drei Titel für die Longlist des Blogbuster-Preises 2017 fest – der Kaffeehaussitzer hat sich entschieden und heute auch Mareike von Bücherwurmloch – und da Lukas Vering und ich trotzdem vor haben, auf dem Glücksschwein nach vorn zu reiten (ja, stellt euch das ruhig bildlich vor!), hat Lukas Vering nicht nur hier ein handgemaltes Video als Teaser für seinen Roman zur Verfügung gestellt, sondern auch erlaubt, dass ich eine Leseprobe aus dem Roman online stelle.

Hier könnt ihr also in den Anfang des Romans „Air“ von Lukas Vering reinlesen:

LESEPROBE 1

Eine zweite Leseprobe aus der zweiten Hälfte des Romans wird im März kommen.

Und dann reiten wir auf dem Glücksschwein nach vorn!

 

 

 

 

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Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (2)

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Wie bereits im ersten Teil angekündigt, hier nun der zweite Teil des Fragebogens, mit dem sich Blogbuster-Longlist-Autor (Komposita, Komposita!) Lukas Vering vorstellt. Ich habe dabei unter anderem das schöne Wort „pläsieren“ gelernt, das ich ab sofort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen werde, weil es mir so pläsiert. Los geht’s:

Worum geht es in deinem Roman „Air“?

Es geht um eine fiktive Zukunft, in der unsere immer aktueller werdenden Trends von Entmündigung und Entfremdung durch Technologie handfeste Realität geworden sind. Entwicklungen, die Menschen mehr Freiheit und Unabhängigkeit von natürlichen Ressourcen versprechen, bekommen hier den fahlen Beigeschmack der Dystopie. Und dann sind da noch Hauptfiguren und Nebencharaktere und solch Beiwerk.

Was hat dich dazu angetrieben, diesen Roman zu schreiben?

Der Prozess ist unnachvollziehbar. Die Grundgerüste des Zukunftsentwurfs stammen aus einem anderen Manuskript, das es nicht übers zweite Kapitel hinaus geschafft hat – das hieß übrigens „Keine Elefanten“, so wie jetzt der zweite Teil der Haupthandlung. Dann kam irgendwann die Idee mit der künstlich hergestellten Luft dazu und das Ganze hat sich weiter und weiter gesponnen. Ich will mit dem Roman niemanden zum Technologieskeptiker erziehen, mich fasziniert einfach nur das Spiel mit Zukunftsentwürfen und was wir aus diesen Fiktionen für unser eigenes Hier und Jetzt ziehen können.

Kann Literatur die Welt verändern?

Jeder kann die Welt verändern. Literatur hat immer und immer wieder meine Welt, meine Ansichten, mein Vermögen zu Verstehen verändert. vering_lukas

Ist die Welt überhaupt noch zu retten?

Das Literatur (und ähnliche Spielformen) für den Mainstream immer dummer werden, heißt wohl auch, dass oben erwähnte Bereicherungen für die eigene Perspektive und Fähigkeit, Zusammenhänge anders zu verstehen und aufzugreifen und neue Verbindungen herzustellen, verkümmern. Unser aktuelles Bildungssystem lenkt ebenfalls nicht ein – Kinder werden viel mehr zu funktionierenden Einheiten für die Wirtschaft erzogen. Und schon sind wir nur drei Schritte von der Welt von „Air“ entfernt…

Warum sind Dystopien in den letzten Jahren so beliebt?

Dazu zitiere ich aus „Mailverkehrt Kulturgeschwätz-Vering, die erste“: „Sicher ist das Genre der Anti-Utopien und Dystopien momentan nicht nur durch hochwertige Kost wie Eggers, sondern auch durch all die Filme und TV-Serien mit ähnlichem Themengebiet etwas strapaziert, andererseits denke ich, befinden wir uns in einer Zeit, in der all diese Ausblicke in mögliche Versionen unserer Zukunft spannender denn je sind. Die Welt steht uns technologisch offen, so gut wie alles ist möglich oder zumindest denkbar – kein Wunder also, dass die Leute sich mit möglichen Varianten der Zukunft auseinander setzen wollen.“

Was unterscheidet „Air“ von anderen Dystopien?

„Air“ hat sicher viel, was sich auch in anderen Dystopien finden lässt – das Buch denkt ja vorhandene Tendenzen und Technologien einfach nur weiter. Eine Nuance hat „Air“ aber, die wohl kaum eine andere Dystopie aufweist und vermutlich auch kaum ein Leser aufschnappt: „Air“ spielt im Ruhrgebiet der Zukunft.

Was fasziniert dich an Genre-Literatur?

Genres sind mir egal. Ich stehe aber auf die kleinen, unheimlichen Ausblicke, die etwa die Science Fiction uns in die Zukunft gewährt. Horror pläsiert mir nicht wegen Blut und Gedärmen, sondern wegen der heimlichen Botschaften, die Monster und Mörder durch ihre Schandtaten flüstern.

Hast du ein Lieblings-Genre?

Erotische Teenage-Werwolf Novellen

Liest du auch literarische Klassiker?

Wann ist ein Klassiker ein Klassiker, frage ich und zucke mit den Schultern. Gelesen habe ich dank Studium der Literaturwissenschaften den ein oder anderen.

Wenn du dich medienwirksam für eine Sache einsetzen könntest, was wäre das?

Für die Umverteilung von Kapital – ich bin immer wieder baff, in was für einem ungerechten System wir leben und wie blind wir es akzeptieren. Und wenn wir dann noch alle der Massentierhaltung abschwören, dürfen wir vielleicht auch noch ein paar Jahre länger die Erde bewohnen.

 

Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (1)

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Ich schrieb vor einiger Zeit, dass und warum ich mich beim Blogbuster 2017 für den Roman „Air“ von Lukas Vering entschieden habe. Und weil ich ihn als Autor noch nicht kenne (und ihr vermutlich auch nicht), stellt er sich hier mit einem kleinen Steckbrief vor, der in den nächsten Tagen nochmal fortgesetzt werden soll. Los geht’s:

Name: Lukas Vering

Alter: 28

Seit wann schreibst du?

Eine meiner ersten freien Schreibaufgaben in der Grundschule handelte von einem Vampir in einer Küchenbank. Die anderen Kinder haben beschrieben, wie sie sich mit dem Vampir angefreundet haben – mein Vampir musste in den Backofen gesteckt und verbrannt werden, bevor er jemanden tot beißen kann. Da wusste ich es… hör niemals auf zu schreiben.

Warum schreibst du?

Einerseits, weil es das einzige Hobby ist, dass über all die Jahre hinweg überlebt hat. Andererseits, weil ich seit dem ersten halbgaren Romanversuch nicht mehr aufhören kann zu versuchen, der Welt etwas zu sagen. Irgendwas.

Was ist dir beim Schreiben wichtig? vering_lukas

Ich will dem Leser zeigen, wie die Welt aussieht, klingt, riecht und schmeckt, die ich mir ausgedacht habe. Außerdem ist mir wichtig, dass mein Text eine Aussage hat, die jeder Leser auf seine Art verstehen kann.

Was machst du, wenn du nicht schreibst?

Filme gucken, Fotos machen und Party like a Rockstar (naja)

Wenn du nicht schreiben würdest, würdest du…?

Malen

Wenn du nicht du wärst, wärst du gerne…?

Robin (von Batman und Robin)

Beschreibe dich in fünf Büchern:

Station Eleven (Emily St. John Mandel), Spieltrieb (Juli Zeh), The Year of the Flood (Margaret Atwood), Schiffbruch mit Tiger (Yann Martel), Harry Potter und ääähh .. der Feuerkelch? (J.K. Rowling)

Welches Buch sollte jeder gelesen haben und warum?

Brave New World von Aldous Huxley, weil es dich für viele Dinge sensibilisiert und dir gutes Werkzeug an die Hand gibt, um skeptisch auf Fortschritt, Technologie, Religion, Kultur und Identität zu schauen

Was würdest du machen, wenn du beim Blogbuster gewinnen würdest?

Meine Freizeit kündigen und nur noch neue Bücher schreiben.

Man muss die Menschheit mögen, denn…

…sie ist so herrlich hilflos wie ein Pinguin auf dem Glatteis.

giphy