Selim Özdogan – Wieso Heimat, ich wohne zur Miete

oezdoganheimatEs gibt in der Literaturgeschichte ja Romane, die davon handeln, dass eine etwas naive Figur in die Welt hinausgeschickt wird, die aus irgendwelchen Gründen etwas realitätsfern aufgewachsen oder eben geworden ist: Das ist schon im mittelhochdeutschen Epos mitunter so (zum Beispiel im Parzival), aber auch im neuzeitlichen Roman (Simplicissimus), im Roman der Aufklärung (J. K. Wetzels „Belphegor“), usw. usw. Natürlich ist das ein Muster, das prominent auch in der Literatur anderer europäischer Länder auftritt, berühmt ist da ja Voltaires „Candide“, in dem eben dieser Candide durch widrige Umstände in die Welt hinausgestoßen wird, nachdem er aufgewachsen ist im Glauben, in der besten aller möglichen Welten zu leben. In diesen Romanen geht es gar nicht so sehr um eine plausible, unterhaltsame Handlung, es geht mehr um philosophische Fragen: Sowohl der „Belphegor“ als auch der „Candide“ sind geschrieben worden, um zu überprüfen, ob ein optimistisches Weltbild bzw. der Glaube an die beste aller Welten realistisch oder einfach naiv ist. Und in dieser Tradition steht „Wieso Heimat, ich wohne zur Miete“ von Selim Özdogan. Und es ist mir wichtig, diese Tradition der europäischen, vor allem auch deutschen Literaturgeschichte hier so zu betonen, in der ich diesen Roman sehe, weil das erneut zeigt, wie kurz eigentlich die Schublade der sog. „Migrationsliteratur“ greift, in die man Özdogan aufgrund seines Namens und aufgrund der Handlung des Romans vorschnell stecken könnte, um der Geschichte, die hier erzählt wird und dem Autor eine einfach Identität („Migrationshintergrund“) überzustülpen. Dabei entzieht sich der Roman eben dem und jeder einfachen Kategorienzuordnung: Es ist eine Geschichte über einen deutschen jungen Mann mit einem türkischen Vater, der in Deutschland lebt und in die Türkei reist. Es ist eine deutsche Geschichte über einen Deutschen, erzählt mit dem Mitteln einer deutschen und europäischen Erzähltradition. Und darin spielt Migration nur insofern eine Rolle, als die deutsche Mutter mit ihrem Kind aus der Türkei nach Deutschland gezogen ist. Ich möchte das hier so betonen, weil ich oft das Gefühl habe, dass Autoren, die nicht Meier oder Müller heißen, abgesprochen wird, sie würden „deutsche“ Geschichten in einer „deutschen“ Literaturtradition schreiben und als würden sie per se irgendwie exotische „Migrationsliteratur“ schreiben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mich hier verständlich ausdrücke, aber ich hoffe, ihr ahnt, was ich meine.

Um mal vorne anzufangen und zum Thema zurückzukommen: „Wieso Heimat, ich wohne zur Miete“ erzählt von Krishna Mustafa, einem Kind einer deutschen Mutter, die ihre Kleinbürgerlichkeit mit einer Menge alternativen Lebensstils zu überdecken versucht, und eines türkischen Vaters, der dagegen seine Kleinbürgerlichkeit eher zur Tugend zu stilisieren versucht – und natürlich hat das Kind dann eben diesen Doppelnamen, in dem all das irgendwie zusammengefasst wird und der sich schon jeder Identitätszuschreibung entzieht, weil er so viele kulturelle Assoziationen, die aber gar nichts mit der geographischen Herkunft irgendeiner Figur zu tun haben müssen („Krishna“), verbindet. Nachdem Krishna Mustafa die ersten Lebensjahre in der Türkei verbracht hat, hat sich seine Mutter vom Vater getrennt und ist nach Deutschland gezogen, weil dort die Schulen, die Krishna Mustafa besuchen kann, viel besser sind. Und natürlich geht er dann auf eine Waldorfschule. So wächst er in einer alternativen Lebenswelt auf, fern kapitalistischer Bosheiten wie Coca Cola und des gemeinen Leistungsdrucks, und bewahrt sich wohl auch deswegen eine bemerkenswerte kindliche Naivität und Heiterkeit. Bis sich Laura von ihm trennt, weil er seine Identität noch nicht gefunden habe und kein Verhältnis zu seinen Wurzeln habe. Unter der Annahme, dass Laura damit recht habe, dass der Mensch also irgendwie eine Identität brauche und irgendwelche Wurzeln finden müsse, reist Krishna Mustafa nach Istanbul, um seinen Vater und seine Wurzeln zu finden. Dabei kommt es zu allen möglichen Verwicklungen – er versteckt sich bei Regen in einem Waffengeschäft und nimmt dort eine Waffe in die Hand, wird dabei aber fotografiert und gilt fortan in Deutschland als islamistischer Terrorist –, die vor allem dazu dienen, diese Fragestellung zu überprüfen: Was ist Identität, ist sie so wichtig, wie nehmen wir Kulturen war, gibt es so etwas wie kulturelle Wurzeln?

Interessant an so einem Vorwurf wie „du hast deine Identität nicht gefunden, du hast kein Verhältnis zu deinen Wurzeln“ ist ja, dass das vermutlich ein Vorwurf ist, den Leute, die im Kindesalter von Berlin oder Wien nach Konstanz gezogen sind, nicht hören dürften, sondern eben nur Leute, die irgendwie einen „Migrationshintergrund“ haben. Darin spiegelt sich die Idee, dass Identität mit Nationalität in Verbindung steht, dass ein Teil individueller Identität die nationale Identität sein muss, und das irgendwie auf zauberhafte Art der Geburtsort mit der eigenen Identität zusammenhinge, oder die Nationalität eines Elternteils. Konsequent dekonstruiert also Özdogan erst einmal die Idee der nationalen Identität, indem er historische wie zeitgenössische Zuschreibungen durchspielt und überprüft, und das von unterschiedlichen Seiten aus: Da finden sich Gespräche darüber, dass einige Türken denken, die Araber wären alle dreckig und könnten sich nicht benehmen (S. 45) – ein Vorurteil, das ja auch einige Deutsche gegenüber Ausländern ganz generell hegen –, da wird das Bild, das Deutsche von der Türkei oder dem „Orient“ haben auf seinen Wahrheitsgehalt abgeklopft, aber auch das Bild, das Türken von Deutschen haben. So stellt sich beispielsweise heraus, dass Bauchtanz eben nicht „typisch Orient/Türkei“ ist, sondern lediglich „typisch Touristenfolklore“, dass der deutsche Blick auf türkische Politik oder beispielsweise die Proteste im Gezi-Park ein stark vereinfachter oder mitunter stark romantisierter ist – aber auch, dass die Deutschen eben nicht alle kalt zueinander sind. Mitunter reißt der Autor hier vielleicht fast zu viele Themen an, manchmal hat man schon beim Lesen eher das Gefühl „Ok, das Thema wollte er jetzt halt auch noch ansprechen“, als dass sich das gerade wirklich aus der Handlung oder der Psychologie der Figuren ergeben hätte. Aber interessant ist das ja trotzdem allemal. Und, was daran auch deutlich wird: Der Roman ist recht gesprächslastig, viele der Themen, die hier diskutiert werden, können gerade eben dann, wenn so viele Aspekte untergebracht werden sollen, gar nicht so sehr über eine Handlung als eben mehr über Gespräche einbezogen werden. Darauf muss man sich einlassen.

Genauso muss man sich auf die Konzeption der Hauptfigur, Mustafa Krishna, eben einlassen, auch wenn einen diese manchmal in all der kindlichen Naivität und Fröhlichkeit, mit der die Figur herumläuft, ziemlich nervt. Aber ich denke, eben das ist gewollt – nicht nur aufgrund der Erzähltradition, in der ich eben den Roman sehe, sondern auch aufgrund des Themas des Romans: Es ist nahezu unmöglich, sich mit einer so unbedarften Figur wie Krishna Mustafa zu identifizieren, immer wieder denkt man sich: „Das meint der doch jetzt nicht ernst?“ oder „Ist der jetzt echt so blöd?“, und fällt damit aus der Identifikation mit der Figur heraus. Und genau das ist ja eigentlich nicht nur konsequent, sondern auch sehr geschickt, wenn es in dem Roman letztlich darum geht, dass „Identität“ als festes Konzept Unfug und Zuschreibungen sowieso quatsch sind: Die Hauptfigur verweigert dem Leser die Identifikation und Festlegung. Der Leser kann über das nachdenken, was die Figuren sagen, bleibt immer in einer gewissen Distanz, aber er findet eben keine Identität, mit der er sich verbinden könnte. Das mag manche Leser nerven, ich finde es aber ziemlich gut gemacht. (Was mich mehr gestört hat, war, dass das Buch eben an manchen Stellen lustig ist und ich doch keinen Humor habe und Witze bei mir beim Lesen wirklich fast nie zünden – da geht es aber anderen ja anders.) Die Hauptfigur verweigert aber nicht nur dem Leser die Identifikation, sie verweigert auch alle Identitätszuschreibungen durch andere: Wenn Mustafa Krishna Opfer von racial profiling wird und immer wieder im Zug von der Polizei kontrolliert wird, nimmt er das pragmatisch und mit Humor und fährt eben in Badehose Zug, lässt das aber nicht als rassistische Zuschreibung an seine Identität heran – ganz im Gegensatz zu seiner Freundin Laura. Wenn er in den deutschen Medien aufgrund eines Fotos und eines Youtube-Videos zum islamistischen Terroristen gemacht wird, nimmt er das eher als Kuriosum hin und sieht es nicht als Identitätszuschreibung, der gegenüber er seine wahre Identität klarstellen müsste, auch wenn alle Freunde und Verwandte aus Deutschland ihn bitten, doch das Bild, das von ihm in den Medien entstanden ist, zu korrigieren.

(Und jetzt kommt der Spoiler, attenzione!) Und am Ende steht dann eben die Erkenntnis, dass der Vorwurf, den Laura ihm gemacht hat, ja dass die ganze Annahme, es gäbe konkrete, feste Identitäten, die irgendwie mit irgendwelchen „Wurzeln“ zusammenhängen, falsch ist – weil Identität immer ein Konstrukt ist, weil nationale Identitäten immer Konstrukte sind, die von unterschiedlichen Positionen aus ganz unterschiedlich konstruiert werden. Wichtiger als die Frage nach der Identität ist die nach den Lebensumständen. So heißt es im Epilog:

„Krishna Mustafa wird noch einige Zeit brauchen zu verstehen, dass die Frage nach der kulturellen Identität auch eine Ausweichstrategie ist. Denn die eigentlichen Fragen lauten: Unter welchen Bedingungen lebt du dort, wo du lebst? Wie ist das Geld verteilt, wie die Chancen und wie wird das begründet?“ (S. 242)

Und genau deswegen bin ich ganz froh, dass es ein Buch wie dieses in Zeiten gibt, in denen Politik in den USA und Europa maßgeblich auch Identitätspolitik ist, in denen europaweit „identitäre Bewegungen“ wachsen, die eben (nationale) feste Identitäten wieder für wichtig und für irgendwie festschreibbar oder erhaltenswert halten. Dabei sind Identitäten Konstrukte, und Konstrukte sind individuell, und es wäre wünschenswert, wenn wir einfach jeden seine Identität selbst konstruieren lassen würden, statt ihn (und uns selbst!) auf irgendwas festzulegen. „Wieso Heimat, ich wohne zur Miete“ ist ein Roman, auf den man sich eben in mehrfacher Hinsicht einlassen muss – aber gemessen an dem, was dieser Roman will, ist er echt gut.

Der Blogbuster-Preis, Elyseo da Silva und ich – ein erster Zwischenstand

blogbuster-logoFast einen Monat ist es her, dass der Startschuss beim „Blogbuster“ fiel – und ich habe vor ein paar Tagen eine Bewerbung bekommen, die mir gut gefällt, weswegen ich dachte, dass ich mal davon erzählen könnte. Zunächst gefällt mir der Name des Autors, ich denke, man könnte für schöne Autorennamen eine eigene Preiskategorie einführen: Elyseo da Silva. Wie kann man denn nur so einen Namen haben? Und vor allem: Warum habe ich eigentlich nicht so einen Namen? Geschrieben hat er jedenfalls ein Buch, das „Mosaik der verlorenen Zeit“ heißt und das er als „kaleidoskopischen Roman“ bezeichnet. Soweit ich das nach dem Lesen des Exposés und der Leseprobe beurteilen kann, trifft das auch zu: Es ist irgendwie ein historischer Roman über den Bürgerkrieg in Guatemala, ein Aussteigerroman, ein Roman über Verluste – irgendwie alles auf einmal. Es scheint ein komplex aufgebauter Roman zu sein und ich mag sowas. Und: Es ist, so war mein Eindruck in der Leseprobe, ein Roman mit politischem Unterton. Das gefällt mir alles sehr gut, obwohl der Roman eher Plot-zentriert als Sprach-zentriert zu sein scheint und mein „Beuteschema“ ja eher handlungsarme, sprach-zentrierte Romane sind. Und Aussteigergeschichten sind normalerweise auch nicht meine Tasse Tee, weil mir das „Aussteigen“ oft zu romantisch ist. Und der Autor scheint Herrmann Hesse zu mögen, und gegen den bin ich doch allergisch, da kriege ich immer so kleine juckende Pusteln von. Aber hier fand ich die Leseprobe wirklich schön und interessant und bin jetzt gespannt darauf, den ganzen Roman zu lesen. Ich freu mich, dass ich die Bewerbung bekommen habe, weil der Autor ein guter Typ zu sein scheint, ich überhaupt nichts über den Bürgerkrieg in Guatemala weiß und hier also nur dazulernen kann und weil das Buch hoffentlich genau das ist, was ich mir auf der Frankfurter Buchmesse bei der Auftaktveranstaltung gewünscht habe: Eines, das etwas mit der Welt zu tun hat, und nicht nur um irgendwelche Wohlstands-Selbstfindungsfragen kreist. Und wenn das Buch halt dabei auch noch unterhaltsam und gut zu lesen ist, dann ist das doch schön. Und auf Aussteiger bin ich ja nur neidisch, weil ich zu feig für so etwas wäre. Und Hesse hat schon auch seine Berechtigung (ganz sicher bin ich mir da aber noch nicht!). Ich freu mich jedenfalls. mosaikdvz

Übrigens ist „Mosaik der verlorenen Zeit“ von Elyseo da Silva (habe ich schon darauf hingewiesen, dass der Name schön ist?) bereits per selfpublishing erschienen und käuflich erhältlich. Zudem ist der Roman auf der Shortlist für den lovelybooks-Leserpreis in der Kategorie „Historischer Roman“, wer für ihn abstimmen will, kann das gerne hier tun: https://www.lovelybooks.de/leserpreis/2016/abstimmungen/historische-romane/

Ich werde den Roman jetzt mal lesen. Das wird lange dauern. Weil es ja ein langer Roman ist. Und ich lese doch so ungern. Deswegen habe ich ja auch einen Buchblog. Deswegen, und weil ich so gerne „ich“ schreibe.

Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael: Nach dem Boom

nach-dem-boomZu den oft vorgebrachten Klagen der letzten Zeit gehört es, dass es Union und SPD an politischem Profil fehle, dass sich Mitte-rechts und Mitte-links nicht mehr unterscheiden lassen würden und beide Volksparteien eben zu einem kaum mehr Bezug hätten: dem Volk. Auch darauf, so meinen manche Beobachter politischer Entwicklungen, sei das Erstarken einer Partei wie der AfD zurückzuführen, denn wo die Union nicht mehr konservative, sondern sozialdemokratische Politik betreibe, sei rechts von ihr ein Platz frei geworden. Dass eine solche Analyse der aktuellen Parteienlandschaft zu kurz greift, macht die Lektüre von „Nach dem Boom“ deutlich, einem Essay von Anselm Doering-Manteuffel und Lutz Raphael, Professoren für Neuere und Neueste Geschichte in Tübingen und Trier, die ihre Expertise für jüngste Zeitgeschichte in zahlreichen Veröffentlichungen unter Beweis gestellt haben.

Im Zentrum des Bandes stehen die Jahrzehnte zwischen den 1970er Jahren und dem Jahr 1995, die der These der Autoren zufolge eine Epoche des Übergangs von der stabilen, von fordistischer Produktionsregie und dem rheinischem Kapitalismus geprägten Nachkriegsordnung hin zu einer neoliberalen Wirtschaftsordnung darstellen (S. 26). Doering-Manteuffel und Raphael sehen diese vom Zerfall des internationalen Währungssystems 1971/72, dem Ölpreisschock 1973/74 und den darauf folgenden Konjunkturschwankungen eingeläutete und alle westeuropäischen Länder ergreifende Phase des Wandels bestimmt von einem „Strukturbruch“, der „sozialen Wandel von revolutionärer Qualität mit sich gebracht“ habe (S. 28): Die genannten Entwicklung hin zu einer Wirtschaftsstruktur, die die Autoren im Anschluss an M. Castells und P. Windolf sowie C. Deutschmann als „digitalen Finanzmarkt-Kapitalismus“ (S. 26f.) bezeichnen, geht auch mit einem tiefgreifenden Wandel kultureller Gewohnheiten und Alltagsroutinen sowie der Entstehung eines erweiterten europäischen Wirtschaftsraumes einher.

Dennoch ist die Bezeichnung der Epoche ab den 1970er Jahren als eine Phase des Übergangs ernst zu nehmen, denn obwohl die Autoren den Terminus des Strukturbruchs wählen, weisen sie doch darauf hin, dass einige Institutionen und Strukturen weiterhin Bestand haben, die in der Phase zwischen 1945 und den langen 1960er Jahren entstanden sind, so etwa im Bereich sozialstaatlicher wie demokratischer Verfasstheit oder der Bildungs- und Forschungsinstitutionen. Die Epoche „nach dem Boom“ „zeigt sich [daher] noch janusgesichtig als Mischung von altvertrauten und neuartigen Strukturen“ (S. 28).

Daraus ergibt sich, dass eine Analyse dieser Jahrzehnte nur mit einem geweiteten Blick auf die dynamischen Wechselwirkungen von Politik, Ökonomie, Bildung, Wissenschaft und Religion erfolgen kann, wobei das Nebeneinander nationaler Besonderheiten in den für den gesamten westeuropäischen Raum nachzuzeichnenden Entwicklungen zu berücksichtigen ist und sozialwissenschaftlich erhobene Daten wie Thesen genau überprüft werden müssen. Diesen Grundannahmen gemäß untersuchen Doering-Manteuffel und Raphael zunächst in Abgrenzung zur Phase der Nachkriegsordnung die von zunehmender Individualisierung und Deregulierung der Märkte geprägte Epoche ab den 1970er Jahren (S. 33-74). Sie zeichnen dabei den Niedergang einer keynesianischen Konsenspolitik nach, der von einer Krise traditioneller Industrien begleitet wird und zu dem Erstarken monetaristischer Vorstellungen führt, die mit dem Ausbau des tertiären Sektors einhergehen. Die so aufgewiesenen wirtschaftlichen, politischen wie gesellschaftlichen Veränderungen lassen sich mit einem Blick auf die sie reflektierend begleitenden sozialwissenschaftlichen Theorien bestätigen. Indem Konzepte von der Modernisierungstheorie über die Theorie des „Dritten Weges“ bis zur aktuellen Diskussion um Beschleunigung, Flexibilität und flüchtige Moderne kritisch überprüft werden (S. 75-107), wird nicht nur die sozialpsychologische und kulturelle Dimension des Wandels klarer erfasst, sondern wird auch augenfällig, dass sich zuvor über historische Analyse gewonnene Beobachtungen mit jeweils zeitgenössischen soziologischen Überlegungen interdisziplinär in Einklang bringen lassen. Abgeschlossen wird der Band mit der Frage nach Feldern für eine das Dargestellte weiterführende zeithistorische Forschung (S. 108-137), wobei etablierte Themen wie der Aus- und Umbau der westeuropäischen Wohlfahrtsstaaten oder Folgen der Arbeitsmigration sowie neue Forschungsfelder wie Geschlechterordnung und Körperbilder oder neue Formen der Sinnsuche als Arbeitsschwerpunkte vorgestellt werden.

Die Loslösung der zeitgeschichtlichen Bearbeitung von Dekaden oder Einzeldaten und Wendung hin zu einer problemgeschichtlichen Herangehensweise, die die Autoren vollziehen (S. 25f.), scheint unerlässlich und richtig, wenn zeitgeschichtliche Forschung das Verständnis der Gegenwart durch eine Analyse ihres Gewordenseins schärfen möchte. Angesichts der komplexen Verstrickung von unterschiedlichen politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozessen, die historischen Wandlungsprozessen immer eigen ist, haben sich Doering-Manteuffel und Raphael mit gutem Grund für eine interdisziplinäre Ausrichtung ihres Essays entschieden, durch dessen Verbindung historischer und sozialwissenschaftlicher Herangehensweisen ein weiterer und vertiefterer Einblick in die Epoche „nach dem Boom“ möglich ist. Zu hinterfragen wäre allerdings die Wahl des Begriffs „Strukturbruch“, der eher einen plötzlichen und vollständigen Umbruch als den von den Autoren nachgezeichneten Wandel suggeriert und damit das von den Autoren immer wieder herausgestellte „Janusgesichtige“ der Epoche terminologisch zu überlagern droht. Zudem ist die starke Konzentration auf Westeuropa gerade dann kritisch zu überdenken, wenn es um die Phase der zunehmenden Globalisierung geht: Dass die Bedeutung außereuropäischer Märkte nicht in den Blick genommen und das Zusammenbrechen des Systems der Kolonisation mit seinen die westeuropäische Wirtschaft bis heute prägenden Folgen und Strukturen lediglich kurz erwähnt, nicht aber einbezogen wird, mag der Kürze der Darstellung wie der Ausrichtung auf die BRD geschuldet sein, ist aber dennoch ein Desiderat. Zu weiten wäre zudem der Blick auf Migration, ist doch die Phase nach 1970 nicht nur die Zeit der im Band genannten Arbeitsmigration, sondern auch die des Aufkommens transkontinentaler Flucht.

Trotz dieser wünschenswerten Erweiterungen ist „Nach dem Boom“ von Doering-Manteuffel und Raphael eine für die Kürze des Bandes bemerkenswert tiefgreifende, erkenntnisreiche Analyse der jüngsten Zeitgeschichte, was gewiss auch auf die Fähigkeit der Autoren zur pointierten Formulierung zurückzuführen ist. Es gelingt überzeugend, die Jahrzehnte zwischen 1970 und 1995 als einen zusammengehörigen Zeitraum des westeuropäischen Wandels vorzustellen, ohne dabei nationale Besonderheiten in seinem Verlauf zu nivellieren. Dass die Entwicklungen, die in der Epoche „nach dem Boom“ angestoßen wurden, und die Strukturen, die sich in dieser Zeit herausbildeten, bis in die Gegenwart fortwirken, machen die Autoren in einem der dritten, nach dem Lehmann Brothers-Kollaps erschienen Auflage vorgestellten Vorwort „nach dem Crash“ deutlich (S. 7-24): Die Weltwirtschaftskrise erweist sich als Folge und damit als Bestätigung der Annahmen zu einem „digitalen Finanzmarkt-Kapitalismus“. Ähnliches gilt für die eingangs erwähnten jüngsten Veränderungen in der Parteienlandschaft: Der Übergang vom keynesianischen Konsens zum monetaristischen Individualismus und die ihn begleitende Auflösung des Gegensatzes zwischen „links“ und „rechts“ führt auf lange Sicht zur „Erosion etablierter Volksparteien und Partizipationsformen“ (S. 18). Die Politik von Union und SPD gleicht sich dahingehend, dass beide versuchen, eine Politik des „dritten Weges“ zu gehen – und der Platz, den die AfD einnimmt, ist nicht einfach der „rechts von der Union“, sondern der des radikalen Neoliberalismus.

[Diese Rezension ist ein „Abfallprodukt“ aus meiner beruflichen Tätigkeit, aber ich dachte, vielleicht will sie ja irgendwer lesen – obwohl ich nicht wüsste, wer das sein sollte.]

Blogbuster – Warum machst du da eigentlich mit?

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Die Frage wurde mir doch öfter gestellt, ich verstehe das, andere fragen sich, warum ich überhaupt gefragt wurde mitzumachen, das verstehe ich noch besser, ich finde auch, dass ich eigentlich nur mäßig zur Gruppe passe, schon allein aufgrund offensichtlicher Unterschiede (Reichweite, Bekanntheitsgrad, dergleichen). Damit ich das nicht ständig persönlich erklären muss, hier als Diskussionsanstoß meine Begründung, die tatsächlich nur meine ist, ich spreche damit für keine der anderen beteiligten Personen, schon gar nicht für das Projekt als Ganzes.

Mir gefällt das Projekt aus mehreren Gründen: Es ist – soweit ich das sehe – das erste Mal, dass ein Projekt in der Größenordnung von einem Blogger organisiert und ins Leben gerufen wurde. Tobias Nazemi von Buchrevier hat die Idee gehabt, er hat die Partner gefunden, er hat die BloggerInnen angefragt. Es ist also nicht so, dass hier ein Verlag oder etablierter Veranstalter auf BloggerInnen zugegangen ist, sondern hier ist ein Blogger auf den Betrieb zugegangen und hat das alles organisiert. Dahinter steht viel Arbeit und wie ich finde auch Mut, schließlich kann die Arbeit auch umsonst sein. Zudem ist es ein Schritt in eine, wie ich finde, wichtige Richtung: Mir geht es nicht darum, das ich persönlich einen Platz im Literaturbetrieb habe mit meinem Blog. Mit ist es nach wie vor piepegal, ob mein Blog und ich ernst genommen werden. Aber was mir wichtig ist – und ich habe das schon mehrfach auf meinem Blog dargelegt – ist die Auflösung von literaturbetriebseigenen Ausschließungsstrukturen.

Als Bloggerin verstehe ich mich schlichtweg als Leserin, der das Lesen so wichtig ist, dass sie darüber auch noch das Internet vollmüllt. Also: Ich bin (Freizeit-)Leserin, die mit dem Lesen nicht ihren Lebensunterhalt bestreitet – ich bin Teil des Zielpublikums des Literaturbetriebs, und nur darüber Teil des Betriebs selbst. Nun machen (Freizeit-)LeserInnen, also nicht genuin literaturbetriebseigene Personen, sondern dessen „Endverbraucher“, ja tatsächlich den ganzen Literaturzirkus erst möglich, habe ich gehört. Und welche Stimme haben sie? Ja, eigentlich keine halt.

Augenfällig und symbolisch wurde das in der Raumarchitektur des diesjährigen Bachmannpreises. Wir erinnern uns: Hier die/der Autor/in, dort gegenüber die Jury, am Rand, außerhalb des Blickfeldes von Autor/in und Jury, das Publikum. Die Jury sitzt der/m Autor/in wie ein Gericht dem Angeklagten gegenüber, das Publikum darf zugucken, ohne selbst im Blick zu sein – wenn das der symbolische Ausdruck des Selbstverständnisses der Literaturkritik ist, dann finde ich das ein klitzekleines bisschen abgehoben, und zwar sowohl der/dem AutorIn als auch dem Publikum gegenüber.

Was unterscheidet jetzt das Projekt „Blogbuster“ davon? Das Publikum – repräsentiert durch LeserInnen, die über ihr Lesen das Internet vollmüllen, also BloggerInnen – treten in das Blickfeld der Jury und zwar auf der Seite der Autoren. Jeder Blog, der teilnimmt, wählt sich einen Text aus, für den er eintritt. Ich möchte eben kein Urteil darüber fällen, wer am Ende „gewinnt“, weil ich diese Rolle nicht einnehmen möchte. Aber mich mit einer/m Autor/in hinstellen und dafür einstehen, dass ich den gut finde, diese Rolle finde ich ganz gut. Und damit macht der Blogbuster-Preis für mein Verständnis eben etwas, was anderen Preisen bestenfalls per Publikumspreis eigen ist: Er nimmt die LeserInnen mit ins Blickfeld. Und er schafft eine Brücke zwischen (allmächtiger) Jury und (der/m ausgelieferten/m) Autor/in.

Und: Das Projekt gesteht LeserInnen (also BloggerInnen) zu, dass sie auch eine Stimme im Literaturbetrieb haben dürfen, einfach nur deswegen, weil sie darüber im Internet schreiben und das mehr oder weniger gut machen. Ich sehe das durchaus im Sinne einer politisch gemeinten Demokratisierung: Am Ende des Tages finde ich es wichtig, dass jeder, der gerne liest, sich einen Blog zulegen kann und mitreden darf – ohne, dass damit Qualität über Bord geworfen würde, ich hoffe einfach, dass ein guter Blog auch eben viele LeserInnen findet. Ich bin nicht für die Abschaffung von Expertise, aber wenn jemand sich lesenswert über Literatur äußert, sollte er auch mitreden dürfen, unabhängig von Alter, Abstammung, Bildungshintergrund, platz-da-hier-komm-ich-Gehabe. Und das „Blogbuster“-Projekt ist ein erster kleiner Schritt in diese Richtung, ein erster kleiner Schritt hin zu einem Durchlässigmachen von Ausschließungsmechanismen und ein kleiner Angriff auf die Allmacht der Fachjury gegenüber AutorInnen und LeserInnen. Wie ungewohnt das die-Leser-in-den-Blick-Nehmen anscheinend doch noch für einige ist, sieht man an einer Interviewfrage wie „Blogs richten sich in erster Linie an Leser. Sind sie der richtige Kanal zur Akquise von Autoren?“, die ich ja wirr finde: Wenn sich Blogs an Leser richten, weswegen in Frage steht, ob sie Autoren auswählen können – an wen richten sich denn dann eigentlich Literaturkritiker, die in Jurys sitzen, und Lektoren? An den hegelschen Weltgeist?

Natürlich ist es nur ein „kleiner“ Schritt. Natürlich hat das Projekt letztlich eine konventionelle Struktur: Irgendwer schlägt Texte vor, am Ende entscheidet eine etablierte Fachjury. Das halte ich für den Anfang für wichtig, denn das Urteil von LeserInnen/BloggerInnen wird von der etablierten Literaturkritik nicht ernst genommen, und das hätte Auswirkungen auf die Laufbahn einer/s Schriftstellerin/s. Würde sie/er nur von BloggerInnen/LeserInnen gewählt werden, würde er nicht ernst genommen werden (das Schicksal haben ja auch die Publikumspreise anderer Literaturpreise) – sitzt da am Ende eine Fachjury, sieht das ganze hoffentlich anders aus. Am Ende muss ja da ein realer Nutzen für die Autorin/den Autor stehen, sonst hat man da jemanden verheizt, um ein Bloggerprojekt durchzuziehen. Wie geschrieben: Es ist ein kleiner Schritt, aber ich hoffe, einer in die richtige Richtung. In eine Richtung von weniger Dünkel, weniger Distinktion, mehr Zusammenarbeit von Kritik, Lesern und Autoren.

Ich hoffe sehr, dass die erste Runde gut geht, dass am Ende ein toller Text gefunden und verlegt wird. Ich hoffe sehr, dass das Projekt wiederholt werden kann, vielleicht dann wieder einen kleinen Schritt progressiver. Ich hoffe sehr, dass ich dann nicht mehr dabei bin, dass statt mir dafür jemand dabei ist, der Anfang 20, vielleicht sogar unter 20 ist, und trotzdem bei Literatur mitreden darf, weil sie/er ein gutes Urteilsvermögen hat. Ich hoffe, dass die Runde bunter wird, diverser. Das Projekt kann schon in der ersten Runde schief gehen, es kann nichts von dem bringen, was ich erhoffe, aber wenn man es nicht probiert hat, braucht man auch nicht meckern.

Es geht mir weder um Aufmerksamkeit (die bekommen, wie ich hoffe, mit gutem Grund die Blogs mit mehr Reichweite), noch um einen Preis (wobei ich 1 Berg Money schon nehmen würde, mit dem ich dann 1 Berg Burger kaufe), noch um Reichweite, das hat mich alles nie interessiert, wird mich auch weiterhin nicht interessieren. Ich schreibe auch weiterhin mal monatelang gar nichts und dann wieder ganz viel, benutze zu wenig Absätze, mache zu lange Sätze, schreibe Blogbeiträge, die fünf Seiten lang sind, weswegen sie keiner liest, und dann Blogbeiträge, die nur eine Seite lang und bar jeder Aussagekraft sind, und mache auch sonst alles falsch, was man im Sinne einer „Professionalisierung“ falsch machen kann. Aber es geht mir nach wie vor, wie schon lange, darum, Ausschließungsmechanismen aufzulösen. Es geht mir nach wie vor um Texte, die ich mag. Und um den Spaß an der Sache, nebenbei, ich bin nämlich wirklich gespannt, was ich so für Texte bekomme und freue mich darauf, mit einer/m Autorin/en zusammenzuarbeiten. Ich will nicht etablierter Teil des Literaturbetriebes werden (dafür müsste ich mich wohl auch anders benehmen und anders schreiben, dafür müssten mich auch andere Dinge interessieren), sondern ich will einen kleinen Schritt in eine Richtung gehen, die tatsächlich demokratischer ist, im politischen Sinne, und die diverser ist. Andere beteiligte BloggerInnen haben schätzungsweise andere Gründe, da mitzumachen, ich habe sie nicht gefragt, aber das hier sind meine Gründe.

Und ich hoffe wirklich, es wird noch mehr lustige Leute geben, die sich ernsthaft am Vergleich des Blogbuster-Projekts mit einer „Castingshow“ stören, weil das ihren Dünkel triggert, und die sich vormachen, der Literaturbetrieb wäre kein kapitalistischer und es ginge nicht auch darum, Produkte zu verkaufen, weswegen er popkulturellen Betrieben aller Art überlegen sei. Willkommen im 21. Jahrhundert, ihr Kulturmenschen, ihr könnt nicht deswegen bedröbbelt sein, weil sog. „anspruchsvolle“ Literatur an Geltung verliert und weiterhin auf althergebrachte distinktive Strukturen setzen. Wenn man weiterhin darauf besteht, Leute auszuschließen, wird sich das Publikum nicht eben vergrößern, und: Auch Marcel Reich-Ranicki, der so oft wieder herbeigewünscht wird, würde vermutlich heute nicht mehr funktionieren – so wenig wie die Sketche von Loriot, auch wenn ich beides wirklich bedaure. Mag sein, dass sich einige immer noch den großen Welterklärer, den großen Oberlehrer wünschen, der ihnen sagt, was lesenswert ist und was nicht. Ich fürchte aber, die meisten anderen entscheiden lieber selber und holen sich dazu erst Tipps von unterschiedlichen Seiten – so, wie man heute, bevor man einen Fernseher kauft oder ein Hotel bucht, auch erst im Internet Tests und Rezensionen vergleicht. Wenn die Zahl der Sternchen auf Amazon mehr Einfluss auf die Buchverkäufe hat als die schönen Texte der Literaturkritiker, wird es vielleicht Zeit, die Leute, die die Sternchen verteilen, wenigstens nicht mehr auszublenden. Auch dann, wenn die es irgendwie schaffen sollten, RTL und Gegenwartsliteratur gleichzeitig zu mögen, und deswegen unter der Würde distinktionsbedachter Naserümpfer sind.

P.S.: Die meisten Akademiker, die ich kenne, schauen ab und an Castingshows – und amüsieren sich dabei.

P.P.S.: Wehe ihr schickt mir keine superduper Texte!

P.P.P.S.: Alles Weitere zum Verfahren des Preises erfährt man Ende des Monats auf der Homepage.

Blogbuster 2017 – Preis der Literaturblogger: Und warum? Weil wir können. Darum.

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Denis Scheck geht mit Bloggern auf Talentsuche / Klett-Cotta veröffentlicht den Preis der Literaturblogger

 

Die Idee erinnert ein wenig an die einschlägigen TV-Castingshows, nur diesmal geht es nicht um Gesang oder gutes Aussehen, sondern um einen guten Roman. 16 Literaturblogger, die Literaturagentur Elisabeth Ruge, der Verlag Klett-Cotta, die Frankfurter Buchmesse und der bekannte ARD-Literaturkritiker Denis Scheck suchen die literarische Entdeckung und den Debütroman des Jahres. Das Ganze nennt sich Blogbuster – Preis der Literaturblogger und ist die Chance für alle, die ein Romanmanuskript in der Schublade haben, aber noch keinen Verlag. Der Gewinner bekommt einen Agentur- und Verlagsvertrag und wird bereits im nächsten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse seinen Roman vorstellen können.

 

Um an dem Wettbewerb teilzunehmen, müssen sich die Autoren bei einem der beteiligten Literaturblogs bewerben. Erst wenn der Blogger vom literarischen Potenzial des Autors überzeugt ist, wird das Manuskript der Fachjury vorgestellt. Neben dem Jury-Voritzenden Denis Scheck, entscheiden Elisabeth Ruge, Klett-Cotta Verleger Tom Kraushaar, Lars Birken-Bertsch von der Frankfurter Buchmesse und der Blogger und Initiator der Aktion, Tobias Nazemi, über den Blogbuster-Gewinner.

 

„Wir wollen damit zeigen, dass Blogs nicht nur Literatur gut vermitteln, sondern auch gute Literatur entdecken können“, sagt Tobias Nazemi, der für das Projekt 14 qualitativ hochwertige und reichweitenstarke Literaturblogs und aus unerfindlichen Gründen eben auch meinen ausgewählt hat. Der Wettbewerb startet am 21.10. mit einer Auftaktveranstaltung im Orbanism-Space auf der Frankfurter Buchmesse. Die Preisverleihung findet Anfang Mai 2017 im Literaturhaus Hamburg statt.

Weitere Informationen unter: Blogbuster-Preis.de

Dort gibt es auch eine eMail-Adresse, an die weitere Fragen gemailt werden können.

Mehr Informationen gibt es bei der Auftaktveranstaltung und Pressekonferenz am 21.10.2016, 16.00 Uhr / Frankfurter Buchmesse, Orbanism Space, Halle 4.1, D88 oder ab diesem Zeitpunkt auf der Blogbuster-Homepage.

 

Mit dabei sind: Sophie Weigand von Literaturen, Sarah Reul von pinkfisch, Tilman Winterling von 54books, Uwe Kalkowski von Kaffeehaussitzer, Mareike Fallwickl von Bücherwurmloch, Jochen Kienbaum von lustauflesen.de, Birgit Böllinger von Sätze & Schätze, Gérard Otremba von Sounds & Books, Sonja Graus von Lust zu lesen, Petra Lux von Die Liebe zu den Büchern, Ilja Regier von Muromez, Constanze Matthes von Zeichen & Zeiten, Sandro Abbate von novelero, Gerrit ter Horst und Tabitha van Hauten von Zeilensprünge und ich.

Und: Besonderen Dank an Tobias Nazemi von buchrevier, der die Sache erdacht und organisiert hat.

P.S.: Ganz, ganz wichtig: Ich bin der Dieter Bohlen der Runde. Das muss man wissen.

Marie-Luise Recker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

recker-brdBald ist Tag der deutschen Einheit! Und darum möchte ich euch ein passendes Büchlein vorstellen, das mir während der Lektüre ganz besonders ans Herz gewachsen ist: Marie-Luise Reckers Novelle „Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.

Zunächst zum Cover:

Das Buchcover ist soooo schön! Auf einem goldglänzenden Hintergrund thront mit himmlischstem AfD-Blau hinterlegt die Deutschlandfahne wie das Bildchen eines Heiligen auf dem blattgoldenen Hintergrund einer Ikone, und damit knüpfen ja die Buchgestalter an klassische Motive an, stand doch in ganz analoger Weise wie hier der goldene Hintergrund bei Ikonen für das göttliche Licht.

Der Klappentext:

„Marie-Luise Reckers kompakte Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gilt inzwischen als Standardwerk. Das Buch beschreibt zuverlässig und anschaulich den Aufbau der parlamentarischen Demokratie, die wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Veränderungen, die Wiedervereinigung sowie die europäische und internationale Einbettung Deutschlands. Für die dritte Auflage wurde der Band durchgesehen und auf den neuesten Stand gebracht.“

Schon der Klappentext lässt also ein Maximum an Spannung erwarten, und es wird schon hier deutlich: Der Leser muss sich nicht vor weit ausschweifenden Handlungssträngen oder Nebenhandlungen fürchten, nein, hier wird der zentrale Erzählstrang kompakt und anschaulich verfolgt. Und: Es ist ein Standardwerk, jeder sollte es also 1mal gelesen haben!

Die Handlung:

Am Anfang gibt es eine Rahmenhandlung, in der der Erzähler (es könnte auch eine Erzählerin sein, so ganz klar wird das nicht) vorgibt, eine alt bekannte Geschichte von der BRD neu zu erzählen – das ist also eine ganz typische Quellenfiktion, die noch dadurch verstärkt wird, dass am Ende der Novelle die Rahmenhandlung geschlossen wird, indem unter sogenannter „Weiterführender Literatur“ eben diese angeblich existenten Quellen genannt werden. Der Erzähler untergräbt aber gleich seine eigene Glaubwürdigkeit, indem er darstellt, was er alles nicht genau erzählen kann – der Leser muss sich also im Laufe der Lektrüüüre selbst überlegen, ob nicht die wirklich wesentlichen Sachen (Hohlwelt, Chemtrails, Reptiloide, Elvis, und wo ist eigentlich König Ludwig?) weggelassen wurden.

Und dann nach dieser Rahmenerzählung geht der Erzähler aber auch gleich in medias res: Er erzählt die Geschichte der kleinen Bonner Republik, die von ihren hässlichen Eltern in einem Schutthaufen – aber nicht ohne Verbündete – ausgesetzt worden ist. Die kleine BRD ist so empört über ihre Eltern, das sie behauptet, mit denen gar nichts gemein zu haben (was natürlich – Achtung, Spoiler! – gar nicht so ganz stimmt), und durchläuft eine ereignisreiche Geschichte mit manchen Irrungen und Wirrungen, bis sie endlich ihre innere Spaltung von der etwas ramponierten DDR überwindet und so in wenig trauter Einheit Richtung Zukunft marschiert, ah, pardon, eher schlendert, „marschieren“ war mehr Sache der Eltern. Wir haben es hier mit einem echten coming of Age-Roman zu tun: Die frühe Kindheit ist geprägt von regem Wachstum, gestützt und genährt von Verbündeten, insbesondere ein gewisser Marshall spielt hier eine entscheidende Rolle. Es folgen Flegeljahre, in denen sich die nun jugendliche BRD wirklich aller Erinnerungen an die Eltern zu entledigen sucht, wer kennt solche pubertären Phasen nicht, und so ganz funktioniert das ja dann immer nicht, man bleibt eben doch immer verwandt, gell. Langsam wird die BRD dann erwachsen, kommt quasi im Berufsleben an, und hier hat die Geschichte dann auch leider einige Längen und ist mitunter unnötig kompliziert. Die Handlung nimmt allein dann ein wenig Fahrt auf, wenn die inzwischen gar nicht mehr so kleine Bonner Republik überlegt, ob sie die Silvesterraketen von Onkel Sam wirklich annehmen soll. Getrieben wird die Handlung aber von der Sehnsucht der BRD nach ihrem Geschwisterchen, der schon genannten DDR. Und wie ich vorher schon angedeutet habe, gibt es hier auch quasi ein Happy End, wenn auch das junge Glück schnell eine Trübung erfährt, von der es sich nicht ganz erholt und dann kommen auch ganz schnell neue Probleme hinzu und es wird noch mal richtig, richtig spannend, aber: Das Ende will ich euch nicht verraten, das müsst ihr einfach selbst lesen! *ggg*

Leider weiß man natürlich nicht, wie es wirklich war, weil der Erzähler ja schon von Anfang an gesagt hat, dass er nicht alles erzählt (Chemtrails, BRD GmbH, Reptiloide, Wolpertinger FEHLEN GANZ!!!!11!1!11).

Meine Meinung:

Insgesamt hat Frau Recker wirklich alles Überflüssige weggelassen UND AUCH EINIGE WICHTIGE FAKTEN UNTERSCHLAGEN!!!!!, wegen der zügig vorangetriebenen Handlung liest sich das Buch aber sehr flüssig. Sprachlich ist die Novelle manchmal etwas spröde und wie ich schon schrieb: Trotz der Kürze des Buches gibt es die ein oder andere Länge und einige Komplikationen oder Schicksalswenden sind wirklich unnötig kompliziert und unrealistisch überkonstruiert. Die Figurengestaltung ist Recker nicht so gut gelungen, ich konnte mich weder mit der BRD noch mit der DDR (ok, die spielt in dem Buch auch eher eine Nebenrolle) so richtig identifizieren. Manche Figuren sind auch echt voll unrealistisch, ich mein, diese ganzen beleidigt abtretenden komischen Männer im Parlament die ganze Zeit, und dann dieser Kohl, und warum kommen da denn überhaupt nie Frauen vor, gibt es in dem Land, in dem die Handlung spielt, nur Männer? Weil aber das Buchcover so hübsch ist und sich Frau Recker echt ne Menge hat einfallen lassen gibt es von mir zwei von fünf Deutschlandfähnchen für dieses Buchi.

fahne3

Wir sollten über diversity und cultural appropriation in der deutschsprachigen Literatur nachdenken.

Das Folgende ist weniger ein fertiger Artikel als viel mehr eine Sammlung von – hoffentlich – Denk- und Diskussionsanstößen, die dazu führen, dass jemand, der das besser kann, schönere Posts über diese Themen schreibt. Leider ist es mir trotz ernsthaften Bemühungen und mehrfachen Anläufen nicht gelungen, einen vernünftigen Beitrag zu verfassen, ich reiße darum hier nur ein paar Sachen an. Bitte korrigiert meine Fehler und ergänzt meine Lücken in den Kommentaren. Danke.

Zu: diversity

1976 erklärte der amerikanische Comedian Richard Pryor seinem Publikum im Roxy Theatre: „I went to see ‚Logan’s Run‘, right? A movie of the future? There ain’t no niggers in it! I said, ‚Well white folks ain’t planning for us to be here!‘ That’s why we got to make movies.“ (Dieses Zitat wurde übrigens von Glenn Ligon für sein Bild „Silver the future 2“ verwendet.) Und eigentlich könnte man den Artikel mit diesem Zitat schon wieder beenden, denn warum diversity wichtig ist, geht daraus wohl klarer hervor als aus allem, was dazu noch geschrieben werden kann: Fehlende kulturelle Repräsentation einer Gruppe der Gesellschaft ist ein Ausschließungsmechanismus, der dieser Gruppe das Gefühl gibt, dass sie nicht dazu gehört, dass sie unerwünscht ist. Im Gegenteil gesprochen: Kulturelle Repräsentation hilft Menschen, sich als Teil einer Gesellschaft wahrzunehmen. Und darum ist diversity wichtig: Weil alle das Recht haben, sichtbar zu sein und sich repräsentiert zu sehen.

Wenn ich „diversity“ schreibe meine ich nicht nur: Pluralität der Geschlechter, sondern ich meine den vollen Umfang: Ich meine, dass in deutschsprachiger Literatur handlungstragende Figuren nicht nur alle Geschlechter haben können sollten, sie sollten auch unterschiedliche Hautfarben haben, körperliche Einschränkungen haben, unterschiedliche sexuelle Orientierungen haben etc.etc. Und ich sehe nicht, dass die deutschsprachige Literatur divers wäre, selbst das Auftreten von Figuren mit einem Migrationshintergrund überlässt man hierzulande ja eher Autoren der sog. „Migrationsliteratur“ – anscheinend haben viele deutsche Autoren keine türkischen Freunde, keine homosexuellen Freunde, keine rollstuhlfahrenden Freunde, weswegen sie nicht auf die Idee kommen, dass ihre sehr weißen, sehr heterosexuellen, sehr „gesunden“ Figurenensemble vielleicht realitätsfern sein könnten.

Diversity ist im englischsprachigen Raum auch im Bereich der Literatur schon länger ein Thema – es überrascht nicht, dass man das in Deutschland noch kaum auf dem Schirm hat, schließlich würden selbst im Jahr 2016 manche am liebsten noch wegdiskutieren, dass Deutschland ein Zuwanderungsland ist und „Multikulti“ galt hier ja schon als gescheitert, als man sich noch nicht mal ernsthaft darum bemüht hatte. Der deutsche Bildungssystem ist nach wie vor im internationalen Vergleich richtig spitze darin, schichtspezifische Bildungsungleichheit zu reproduzieren, will sagen: PISA hat vor allem gezeigt, dass in Deutschland in sehr viel stärkerem Maße als in den meisten anderen Ländern der Schulabschluss eines Kindes vom Schulabschluss der Eltern abhängt. Kinder von Akademikern werden wahrscheinlicher selbst Akademiker. Das grenzt selbstverständlich auch Kinder mit Migrationshintergrund aus.

Und warum lesen die auch immer keine Bücher? Vielleicht, weil es zu wenig Bücher für sie gibt. Wer liest, weiß, dass es eben nicht unerheblich für den Zugang zu einem Buch ist, ob man sich mit der Hauptfigur identifizieren kann. Ein Kind, das selbst im Rollstuhl sitzt, würde vielleicht gerne auch mal ein Buch über ein Kind mit einer körperlichen Einschränkung lesen. Ein Kind, das eine dunklere Hautfarbe hat, würde vielleicht gerne mal ein Buch lesen, in dem ein Kind mit dunkler Hautfarbe der Held und der Coole ist. Ein Teenager, der beobachtet, dass er sich mehr zum eigenen als zum anderen Geschlecht hingezogen fühlt, fände es vielleicht ermutigend, ein Buch zu lesen, in dem es einer Figur genauso geht. Es sollte schlichtweg für jedes Kind ein Buch geben.

Aber damit eben nicht genug: Es sollte überhaupt für jeden ein Buch geben. Und die gesellschaftliche Vielfalt sollte auch in Literatur abgebildet sein. Mein persönliches Umfeld ist nicht so weiß, heterosexuell und „gesund“ wie das Umfeld vieler Figuren in Büchern, die ich lese. Viele Leser fühlen sich schnell gestört, wenn eine Figur in einem Buch nicht realistisch konstruiert wurde oder nicht „authentisch“ wirkt, wie viele dazu ja auch sagen. Aber: Warum stören sich so wenige daran, wenn das Figurentableau eines Buches nicht realistisch konstruiert wurde? Wenn diese Leser ihre Freundesliste auf facebook durchschauen: Sind da wirklich alle weiß und heterosexuell?

Ich will mich nicht dafür aussprechen, diversity zu dem Qualitätskriterium überhaupt zu machen – natürlich ist ein Buch nicht erst dann gut, wenn es auch homosexuelle Figuren enthält o.ä. Natürlich bleiben Sprache und Plot die zentralen Qualitätsmerkmale. Und ich spreche mich auch definitiv nicht dafür aus, einzelne Autoren dafür anzugreifen, dass ihre Figuren nicht divers sind. Aber ich finde, wir sollten über diversity nachdenken. Und ich finde, auch deutschsprachige Autoren sollten darüber nachdenken. Zumindest diejenigen sollten das tun, die davon ausgehen, dass Bücher das Leben ihrer Leser verändern könnten. Etliche weitere und schöner formulierte Gründe für diversity in Literatur finden sich in diesem Video und auf den anderen Videos des zugehörigen youtube-Kanals, wer dazu noch ein bisschen suchen will, wird auf englischsprachigen Blogs und Booktube-Kanälen dazu eine Menge finden:

Und, noch am Rande: Ich war ein wenig belustigt, zu lesen, dass der Chamisso-Preis, also der Preis für deutschsprachige Literatur von Autoren mit Migrationshintergrund, ab dem nächsten Jahr nicht mehr vergeben werden soll. Die Begründung dafür ist, dass der Preis überflüssig geworden sei, da eben die Autoren, an die der Chamisso-Preis vergeben werde, inzwischen alle gängigen Literaturpreise gewinnen könnten. Ein Blick auf die Long- und Shortlist des Deutschen Buchpreises dieses Jahres zeigt, dass dort Autoren wie Senthuran Varatharajah, Shida Bazyar oder Abbas Khider und andere fehlen, deren Bücher, die dieses Jahr veröffentlicht wurden, genauso long- und shortlistwürdig wären wie die Bücher der Autoren, die nun darauf stehen. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass dieser Chamisso-Preis, der eine bestimmte Autorengruppe aufgrund von Merkmalen, die vom jeweiligen Text unabhängig sind, auf einen bestimmten Preis hin ausgrenzt, nicht gerade schön ist, und dass Autoren mit Migrationshintergrund alle Literaturpreise gewinnen können sollten, dass da einfach kein Unterschied zwischen Migrationshintergrund und nicht-Migrationshintergrund gemacht werden sollte. Aber gerade angesichts der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis sehe ich eben nicht, wie man darauf kommt, dass der Chamisso-Preis genau jetzt auf einmal mit der gegebenen Begründung überflüssig wäre.

Zu: cultural appropriation

Vor ein paar Tagen wurde ich von einer Freundin auf facebook auf diesen Artikel von Yassmin Abdel-Magied im guardian aufmerksam gemacht, in dem es vor allem um cultural appropriation in Literatur geht. Als cultural appropriation / kulturelle Aneignung bezeichnet man die Aneignung von Traditionen oder Gegenständen einer Ethnie, bei der diese Tradition/dieser Gegenstand seiner eigentlichen kulturellen Bedeutung und seines eigentlichen Kontextes beraubt wird und dafür aber kapitalistisch nutzbar gemacht wird, so beispielsweise wenn man hierzulande Eintritt dafür bezahlt, um sich gegenseitig bei einem „Holi Fest“ mit Farbe zu beschmeißen, ohne dass das noch irgendeine weitergehende Bedeutung hätte. Tatsächlich ist ja anzunehmen, dass die meisten, die zu so etwas hingehen, bestenfalls noch wissen, dass das irgendwas mit Indien zu tun hat.

In dem oben verlinkten Artikel spricht sich Yassmin Abdel-Magied gegen cultural appropriation in der Literatur aus, wenn sie Lionel Shriver dahingehend widerspricht, dass es eben nicht selbstverständlich und in jedem Falle ok ist, als Autor über alles, was man möchte, zu schreiben, solange ein gutes Buch dabei entsteht bzw. das Buch funktioniert: „It’s not always OK if a white guy writes the story of a Nigerian woman because the actual Nigerian woman can’t get published or reviewed to begin with. It’s not always OK if a straight white woman writes the story of a queer Indigenous man, because when was the last time you heard a queer Indigenous man tell his own story? How is it that said straight white woman will profit from an experience that is not hers, and those with the actual experience never be provided the opportunity? It’s not always OK for a person with the privilege of education and wealth to write the story of a young Indigenous man, filtering the experience of the latter through their own skewed and biased lens, telling a story that likely reinforces an existing narrative which only serves to entrench a disadvantage they need never experience.“

Ich möchte den Ansatz und diesen Artikel deswegen gerne zur Diskussion stellen, weil ich diese Problematik schlichtweg – Privilegien sei Dank – nie auf dem Schirm hatte. Ich weiß auch nicht, ob man so weit gehen muss, zu sagen: Über dies und jenes darf man nicht schreiben, wenn es nicht die eigene Erfahrung ist. Ich glaube aber, dass der Artikel schon auf etwas Wichtiges aufmerksam macht, wenn er darauf hinweist, dass gleichzeitig, wenn ein wirkliches Interesse an diesen Geschichten existiert, etwas dafür getan werden muss, damit die Leute ihre Geschichten selbst erzählen können. Und dass eben nicht nur Bücher über irgendwelche Menschen existieren sollten, sondern Bücher von diesen Menschen selbst existieren müssen.

Und: Die Forderung nach diversity und die Forderung nach Vorsicht vor cultural appropriation schließen sich übrigens meiner Ansicht nach nicht aus.