Arthur Schnitzler – Später Ruhm

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Ob Arthur Schnitzler wohl gerade mit Thomas Bernhard im Literaturhimmel Bäume fällt?

Die Antwort auf diese Frage erfahren wir wohl in diesem Leben nicht mehr, bis dahin müssen wir uns mit vermeintlichen Neuentdeckungen aus dem Nachlass des einen wie des anderen begnügen. Was ja gar nicht so schlecht ist.

Denn auch wenn Arthur Schnitzlers Novelle „Später Ruhm“ nicht die große Neuentdeckung, kein verschollenes Meisterwerk ist, wie es die Vermarktung so will, so ist es doch allemal eine Entdeckung und ein kleines Meisterwerk, wie ich finde:

Die Geschichte um den betagten, biederen Stammtischler Eduard Saxberger, dessen poetische Vergangenheit von einer Gruppe junger Dichter plötzlich entdeckt und gefeiert wird, zeichnet ein ironisches Bild nicht nur von Künstlern und Künstlerkreisen, sondern vom Menschen an sich, dessen Geltungsdrang und Dünkel. Freilich handelt es sich um ein frühes Werk des Dichters, ist wohl nicht sein wichtigstes und gelungenstes, aber gerade das macht umso mehr deutlich, wie groß das Talent Schnitzlers war: Auch dieses frühe, von ihm selbst verworfene Werk ist sprachlich, erzähltechnisch und psychologisch sehr viel nuancenreicher, präziser und gelungener als die meisten Neuerscheinungen, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Fantastisch ist insbesondere auch hier Schnitzlers feines psychologisches Gespür, mit dem er beispielsweise die Mechanismen der Verdrängung, die Saxbergers Denken und Handeln dominieren, sowie das Aufbrechen der verdrängten Zweifel im Rahmen der Dichterlesung nachzeichnet.

Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen und unglaublich gerne gelesen und würde mir wünschen, dass das auch viele andere tun.

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2 Gedanken zu „Arthur Schnitzler – Später Ruhm

  1. Pingback: [Kulturgeschwätz] Arthur Schnitzler – Später Ruhm - #Literatur | netzlesen.de

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