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Eugen Ruge – Cabo de Gata

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Alles, wirklich alles ist großartig, wenn man eine Katze darin vorkommen lässt. Das Internet ist der beste Beweis dafür, schließlich wurde es sogar von Katzen erfunden. So ist es quasi ein Geniestreich von Eugen Ruge, eine Novelle (wenn man so will) mit Katze darin zu schreiben – da ist ja schon von vorneherein klar, dass das nicht schief gehen kann.

Eugen Ruge erzählt in „Cabo de gata“ wohl zumindest in Ansätzen autobiographisch von einem Aussteiger, der sich mühsam aus allen sozialen Vernetzungen herausschneidet, alles Geld zusammenkratzt, das er kriegen kann, und sich aufmacht auf eine nicht italienische, dafür aber spanische Reise, um dort einen Roman zu schreiben. Während sich jedoch Goethe bei seiner italienischen Reise aus Künstler neu finden konnte, geht es in „Cabo de Gata“ um das Scheitern: Der Versuch des Ausbruchs misslingt ebenso wie der vorherige Versuch, sich glücklich in die Gesellschaft zu integrieren. Und dennoch ist die Reise nicht umsonst, denn es gibt sie, die kleinen und großen Momente des Glücks, es gibt den perfekten Augenblick, und – wie sollte es anders sein – schuld ist natürlich eine Katze.

All dies wird in einem distanzierten, dankenswerterweise kein bisschen kitschigen Stil erzählt, und daran wird es wohl auch liegen, dass mich die wohl am ehesten als philosophisch zu bezeichnenden Passagen der Novelle nicht genervt haben, obwohl ich bei derartigen Passagen sonst schnell schlechte Laune kriege, eben immer dann, wenn jemand tiefgründiger tut, als er ist. Das ist hier aber nicht der Fall. Um bei den Goethe-Faust-Bezügen (was auch immer diese hier zu suchen haben) zu bleiben: Die alte Erkenntnis „es irrt der Mensch, solang er strebt“, beantwortet Ruge damit, dass die Lösung darin läge, nicht mehr nach etwas zu streben (was ja auch Fausts Wunsch wäre). Und tatsächlich gelingt es ihm auch, zumindest zeitweilig, nicht mehr zu streben, sondern einfach glücklich, zeitlos zu sein. Aber natürlich scheitert auch das.

„Cabo de Gata“ ist eine wirklich wunderbare, unaufdringlich-nachdenkliche Novelle, die eine eigentlich traurige Geschichte so leicht erzählt, dass man dabei glücklich ist (und manchmal sogar laut lacht). Mit Sicherheit ist es nicht das wichtigste Buch der Welt, sicher auch nicht das wichtigste des Autors, aber ich habe es unglaublich gerne gelesen.

P.S.: CATLEIDOSCOPE!

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