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Petra Morsbach – Justizpalast

Morsbach JustizpalastJustiz ist schon immer ein Thema der Literatur – wenn man ganz weit zurückgreifen will und die Bibel als „Literatur“ bezeichnen will, dann sind hier mehrere Erzählungen der Rahmen für Gesetzestexte, und auch wenn man nicht so weit zurückgreifen will, kann man hier immer noch ohne Probleme eine mehrere Jahrhunderte zurückgreifende Tradition ausmachen: Da ist Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, Kleists „Der zerbrochne Krug“, Kafkas „Process“, Brechts „Kaukasischer Kreidekreis“ und in jüngster Zeit Schirach, um nur ein paar Beispiele zu nennen (es gab dazu mal auf 54books eine Beitragsreihe: Lawandlit).

Dass das Thema des Rechtssystems für die Literatur reizvoll ist, liegt auf der Hand: An wenigen Orten kann man Figuren aus den unterschiedlichsten Milieus miteinander so interagieren lassen, zu wenigen Anlässen sind Figuren so sehr gezwungen, sich zu öffnen, ihre Geschichten zu erzählen, und wenige Anlässe leuchten damit so tief in gesellschaftliche Wertesysteme, soziale und individuelle Abgründe hinein wie ein Gerichtsverfahren. Indem man vom Rechtssystem erzählt, kann man davon erzählen, ob und wie eine Gesellschaft funktioniert oder eben nicht, was Gerechtigkeit ist und ob sie möglich ist. Und in der Reihe der Werke, die davon erzählen, steht auch Petra Morsbachs Roman „Justizpalast“. Weiterlesen