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Chimamanda Ngozi Adichie – Americanah

Americanah

„Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie wurde schon so oft besprochen, dass ich da ruhig auch noch einen Dreizeiler dazu dichten kann.

Adichie erzählt in diesem Roman von Ifemelu, die ihre Heimat Nigeria und ihre große Liebe Obinze verlässt, um in Amerika zu studieren. Etliche Jahre und Frisuren später hat sie in Amerika Fuß gefasst, lebt gut von ihrem Blog über Rassismus und beschließt, nach Nigeria und zu Obinze – der in der Zwischenzeit in England war – zurückzukehren.

Interessant und überaus lesenswert ist das Buch vor allem wegen der politisch-gesellschaftlichen Beobachtungen über Rassismus, die Ifemelu mit ihren Mitfiguren diskutiert und auf ihrem Blog veröffentlich. In dieser Hinsicht ist das Buch wirklich eine Offenbarung: Man sieht danach viele Dinge grundsätzlich anders, denkt über vieles nach, von dem man zuvor nur vage wusste. Adichie legt in ihrem Roman Vorurteile, stereotypes Denken und Handeln offen und lässt den Leser den schmerzhaften inneren Prozess der Migration miterleben und bereichert dadurch dessen Horizont ungemein. Auch dass Nigeria auf eine andere Weise dargestellt wird, als wir es vielleicht aus den Nachrichten gewohnt sind (auch wenn Probleme wie Korruption oder Militärmachthaber durchaus eine Rolle spielen), habe ich als Bereicherung empfunden.

Leider nutzt Adichie aber auch oft stereotype Figuren, um stereotypes Denken vorzuführen. Sowohl Ifemelu als auch Obinze sind sehr interessante, facettenreiche Figuren – über viele Nebenfiguren kann man das leider nicht sagen. Zudem ist die Liebesgeschichte, um die herum die Autorin ihren Roman konstruiert, für meinen Geschmack viel zu dick aufgetragen, insbesondere das Ende empfand ich als unerträglich kitschig. Die Geschichte hat mich leider schlicht und ergreifend nicht interessiert. Vielleicht aus diesem Grund hat der Roman meiner Ansicht nach etliche Längen, man hätte vermutlich ohne großen Verlust mehrere hundert Seiten einsparen können – vielleicht wäre sogar das, was den Roman inhaltlich interessant macht, in kürzeren Erzählungen pointierter und lesbarer verpackt gewesen. Ärgerlich sind darüber hinaus mehrere Fehler in der Übersetzung (doppelte Wörter, fehlerhafte Satzkonstruktionen…), für die aber zugegebenermaßen die Autorin nichts kann.

„Americanah“ ist unbedingt ein lesenswerter Roman, weil er dem Leser in vielerlei Hinsicht die Augen öffnet. Jemandem, der sich für Migration und/oder Rassismus interessiert, für Literatur, in der man tatsächlich etwas über die Welt lernt, muss man das Buch unbedingt empfehlen. Große Literatur oder ein vollauf gelungener Roman ist das aber leider nicht.