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Chinua Achebe – Alles zerfällt

Achebe Alles zerfaellt

Kurze Fassung der Besprechung: Lies das!

Längere Fassung der Besprechung: Achebe erzählt Geschichte. Im Falle von „Alles zerfällt“ die Geschichte der nigerianischen Igbo im ausgehenden 19. Jahrhundert – und damit die Geschichte der Veränderungen, die christliche Mission und Kolonisation mit sich brachten. Okonkwo, ein großer Mann seines Stammes, lebt im biographisch begründeten auch nach Stammesmaßstäben überzogenen Bestreben, dem Idealbild eines Mannes, das in seiner Kultur verwurzelt ist, zu entsprechen. Gerade weil er so an der Kultur seines Stammes hängt, ist er für Achebe ein geeignetes Exempel, um zu zeigen, was mit einem Menschen passiert, der die Orientierung verliert, weil sein bisheriges Leben, also schlichtweg „alles“, „zerfällt“. Eben diesen Zerfallsprozess stellt Achebe in einer oberflächlich betrachtet einfachen Sprache dar, die die Wirkung des Romans ebenso verstärkt wie die Wahl des Protagonisten. Okonkwo ist kein Sympathieträger, aber dennoch eine durch und durch menschliche, tragische Figur, die ihre Ideale nicht ohne Weiteres über Bord werfen kann.

Indem Achebe in der Mitte des letzten Jahrhunderts den Igbo eine neue Stimme gegeben hat, hat er Geschichte erzählt. Indem sein Werk zum meistbesprochenen und so wirkmächtigsten der afrikanischen Gegenwartsliteratur wurde, ist es selbst Geschichte geworden. Seit 2012 liegt es nun – dem Fischer-Verlag sei Dank – in neuer Übersetzung vor, zudem ist der Roman mit zahlreichen hilfreichen und interessanten Anmerkungen versehen.

Es wäre wichtig, wenn dieses Buch auch weiterhin von möglichst vielen Menschen gelesen würde. Das ist nicht nur deshalb so wichtig, weil das Buch „selbstbewusst afrikanisch“ ist, sondern auch, weil es von einem zutiefst menschlichen Schicksal erzählt: Von einem, der mit der Realität nicht Schritt halten kann.

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