Archiv der Kategorie: Zu- und vorhandenes Zeug

10 Gründe, warum „Air“ von Lukas Vering den Blogbuster 2017 gewinnen sollte.

blogbuster-logoDer Blogbuster-Preis 2017 neigt sich dem Ende zu, in ein paar Tagen – am 11.4. – wird die Shortlist bekannt gegeben. Um der Fachjury etwas die Entscheidung zu erleichtern, habe ich mal zehn gute Gründe zusammengestellt, die dafür sprechen, dass „Air“ von Lukas Vering gewinnen sollte:

  1. Der Roman schafft etwas, was nicht viele Romane schaffen: Er erzeugt eine – in diesem Fall beklemmende – Stimmung, die er auch bis zum Schluss aufrechterhält.
  2. In „Air“ geht es mindestens genauso sehr um uns und die Art, wie wir leben und wie wir unsere Welt gestalten, wie um die Figuren in dem Roman.
  3. Es ist ein Roman, der etwas zu sagen hat.
  4. Das Ende ist so gut!
  5. Wie in der Realität auch so sind auch in der Zukunft, die „Air“ entwirft, nicht alle Menschen heterosexuell. Diversity und so, ne.
  6. Die Nebenhandlungen beleuchten die Welt aus „Air“ nochmal aus anderen Blickwinkeln, und zeigen damit, dass man Dinge auch immer ganz anders sehen kann
  7. Lukas Vering hat eine wahnsinnig komplexe, in sich bis ins Detail stimmige Welt entworfen.
  8. Der Autor ist ein superguter Typ.
  9. Nach dem Lesen sieht man Luft anders.
  10. Last but not least: „Air“ mag auf den ersten Blick aussehen wie „schon wieder eine Dystopie“. Aber ich habe beim Lesen nicht das Gefühl gehabt, „schon wieder eine Dystopie“ zu lesen, die irgendwie austauschbar wäre. Ich erinnere mich noch Monate nachdem ich „Air“ gelesen habe an den Roman. Und das ist vielleicht das wichtigste.

Und dann gibt es noch einen weiteren wichtigen Grund: Wir haben als einzige einen formschönen Hashtag. #loveisintheAir

Blogbuster: Autoren-Video von Lukas Vering

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Lukas Vering, den Autor meines Blogbuster-Favoriten, habe ich hier ja schon per Steckbrief sich vorstellen lassen, und jetzt gibt es auch noch ein Video in bunt und Farbe von ihm, um objektiv zu beweisen, dass er ein so sympathischer wie talentierter Autor ist. Leider war es ihm mangels Equipment nicht möglich, ein aktuelles Video aufzunehmen, darum ist dieses schon zwei Jahre alt, aber das ist eigentlich nur gut, denn in den letzten zwei Jahren haben Talent und sympathisches Charisma noch einmal SO zugenommen, dass das jede Kamera sprengen würde (glauben Sie mir, ich bin sehr vertrauenswürdig):

Lukas V. – Revier-lovin‘ Literat from Kathi Neuh on Vimeo.

#loveisintheAir

Zum Weltfrauentag – Was mich diese Woche so alles gestört hat.

Mittwoch war Weltfrauentag und ich habe viele lustige Glückwunsch-Bildchen bekommen. Stefanie Sprengnagel hat zum 8. März etwas anderes bekommen – eine Hetzkampagne in der Krone. Die Folgen kann man auf ihrem facebook-Profil nachlesen (eine Zusammenfassung der Ereignisse kann man auch hier lesen), das geht von Beschimpfungen bis zu dem Wunsch, die möge doch vergewaltigt werden, und lustiger weise wurde sie nun von facebook für 30 Tage gesperrt – nicht die Leute, die da gegen sie hetzen. Man könnte ja meinen, dass irgendwer aus diesem spaßigen Literaturbetrieb, der die Möglichkeit hat, medienwirksam zu publizieren, so zum Beispiel irgendein Feuilleton-Fritze oder so, dazu mal Stellung beziehen könnte, wenn mit einer Autorin so umgegangen wird. Da ist man doch bei jedem Zeichner von Karikaturen, dem irgendwas angedroht wird, sonst auch recht schnell mit dem abgelutschten Voltaire-„Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“-Gelaber zur Stelle. Warum eigentlich bei Sprengnagel nicht? Weil das nicht so schlimm ist, wenn man einer Frau wünscht, dass sie vergewaltigt ist, oder weil sie zu links, zu feministisch ist, oder weil sie ja nur so eine Frau ist, die im Internet schreibt? Nur um das mal festzuhalten: Stefanie Sprengnagel hat in den letzten Jahren in Punkto „öffentlich Diskurse führen“ und „Sozialkritik“ definitiv mehr Mut und mehr Engagement bewiesen als das Feuilleton von FAZ, SZ und der Zeit zusammen. Man muss nicht alle Debatten, die sie lostritt, sinnvoll finden, man muss nicht alle ihre Standpunkte teilen – aber man könnte ja mal ihr Recht dazu, dies zu tun, verteidigen, und ihren Mut, das in einem Österreich, das in weiten Teilen Hofer für wählbar hält, zu machen, zu schätzen wissen. Wenn man von „engagierter Literatur“ spricht, schätze ich, dass wir inzwischen von Sprengnagel reden müssen. Dass das Feuilleton hier schweigt, zeigt für mein Empfinden viel deutlicher als die Anzahl der Autorinnen auf den Shortlists zu Literaturpreisen, welche Bedeutung eine Frau, zumal dann, wenn sie sich klar für Frauenrechte einsetzt, für den Literaturbetrieb hat. Das ist schon eher peinlich.

Und dann war Freitag in München im Literaturhaus die Lesung der Chamisso-Preisträger Senthuran Varatharajah, Barbi Markovic und Abbas Khider. Und mal abgesehen davon, dass der Moderator der Lesung fahrig und unvorbereitet wirkte, hat er Varatharajah tatsächlich gefragt, wie das denn sei, mit so einem Namen, der den Leuten hier so schwer falle, in Deutschland als Autor zu leben. So eine Frage führt natürlich unter dem kulturbürgerlichen Publikum zu einem erlösenden „Hühühü“, hat man doch selbst noch auf der Toilette kurz vor Beginn der Lesung Witzchen über die Unaussprechbarkeit dieses Namens („Wie soll man das aussprechen? Valalalala?“ „Hühühü“) gemacht und sieht jetzt „Hach, wie drollig, sogar der Mann vom SZ-Feuilleton findet den Namen schwierig, na dann hatte ich ja Recht mit meinem harmlosen Späßchen, hühühü“. Keine Ahnung, wieso diese Leute, wenn sie Namen, die nicht „Müller-Lüdenscheit“ lauten, so ulkig finden, zu einer Chamisso-Preis-Lesung gehen, und keine Ahnung, wie diese Leute es verarbeiten, wenn Varatharajah darauf mit Recht antwortet, nachdem er seit 33 Jahren in Deutschland lebe, könne er wohl mit Recht auch sagen, dass sein Name ein deutscher Name sei. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass jemand, der eine Veranstaltung im Umkreis des Chamisso-Preises moderiert, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl zeigt und solche Fettnäpfchen meidet. Noch viel mehr hätte ich mir gewünscht, dass Leute, die Witze über Namen machen, bitte zu Hause bleiben, statt zu meinen, sie wären allein deswegen schon irgendwie frei von Ressentiments, weil sie zu dieser Lesung gehen.

Am allermeisten hätte ich mir aber gewünscht, dass sich der Moderator wenigstens vor der Veranstaltung auch nur den Wikipedia-Artikel zu Barbi Markovic durchgelesen hätte, denn hier war die Veranstaltung wirklich beschämend: Er stellte sie mit ihrem Namen vor, nannte den Titel des Romans, bat sie, den Roman hochzuhalten und sagte „und das Cover macht ja auch schon Interesse auf mehr“. Er hätte ja auch „darin kann man gedruckte Wörter und Sätze lesen“ sagen können. Mal abgesehen von dann folgenden random-Fragen wie der danach, warum sie sich „Barbi“ nenne und nach ihrem Geburtsort (beides hätte er im Wikipedia-Artikel nachlesen können, beides hätte Teil seiner Vorstellung der Autorin sein können), verstand er mitunter offensichtlich die Antworten der Autorin nicht. Zum Beispiel wenn diese ihm erklärte, wie sie Verfahren von Döblin aus „Berlin Alexanderplatz“ zu aktualisieren und zu radikalisieren versucht habe, woraufhin er quasi die Frage nochmal stellte, die sie damit eigentlich gerade beantwortet hatte. Oder dann, wenn diese die Superkraft der „Auslöschung“ erklärte, die die Superheldinnen in „Superheldinnen“ eben haben und mit der diese eine Person aus ihrer jetzigen Existenz in eine glücklichere verpflanzen können. Daraufhin fragte der Moderator, ob sie nicht dasselbe tue, wenn sie Texte von Thomas Bernhard oder Döblin popkulturell verfremde, also, ob sie die Texte und die Figuren damit auch in eine glücklichere Existenz verpflanze. Hätte er zugehört, als die Autorin aus „Superheldinnen“ vorgelesen hatte, hätte er hören können, dass sich die Figuren in diesem Roman einsam und unglücklich fühlen – insofern blieb der Autorin, die bei all dem wirklich sehr gefasst blieb, ja nichts anderes übrig, als ihm zu sagen, dass dies ein interessanter Gedanke sei, den sie aber nicht gehabt habe. Er hätte ja wenigstens in die Bücher der Autorin, mit der er da sprechen sollte, hineinlesen können. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat der Abschluss der Lesung, bei der sich der Moderator bei der Autorin und den Autoren bedankte, vor dem Sagen ihres Nachnamens „Barbi [lange, peinliche Pause] Markovic“ aber so lange zögerte, dass man den Eindruck bekam, dass er gerade ernsthaft überlegen musste, wie diese Frau da überhaupt heißt. Es war furchtbar peinlich. Es hätte vermutlich viele interessante Fragen gegeben, die man Barbi Markovic hätte stellen können – zu ihrer Arbeitsweise, zu ihrer Sicht auf Sprache, zu ihrer Sicht auf das Thema „Stadt“, aber dazu hätte man vorher recherchieren müssen, und wenn man das halt nicht tut, kann man keine interessanten Fragen stellen. Und wenn man das nicht kann, dann kommt halt nur Quark raus, dann bekommt der Zuhörer den Eindruck, dass der Moderator nichts über die Autorin weiß, und dann ist vor allem der Interviewteil zu der einen Autorin, die dort war, sehr viel kürzer als der zu den beiden Männern.

Internationaler Weltfrauentag hin und her: Die Gleichberechtigung der Frau im Literaturbetrieb hängt nicht einzig und allein an der Zahl der Auszeichnungen, die an Frauen vergeben werden, oder der Zahl der Nominierungen weiblicher Autorinnen. Daran auch, ja, das ist auch wichtig. Aber es hängt auch daran, wie man eigentlich damit umgeht, wenn eine Frau öffentlich angegangen wird (siehe Stefanie Sprengnagel), und ob jemand, der eine Lesung moderiert, sich auch mit der einen Frau (Barbi Markovic), die auch liest, auseinandergesetzt hat, oder doch lieber nur mit den beiden Männern, und ob die Redezeiten hier gleichmäßig verteilt sind. Da ist noch viel zu tun.

P.S.: Der Auszug aus „Superheldinnen“ von Barbi Markociv, den die Autorin vorgelesen hat, hat mir übrigens sehr gut gefallen, auch die Idee hinter ihrem anderen Buch, „Ausgehen“, finde ich spannend. Ich habe mir beide Bücher bestellt, und wenn ich jemals dazu komme, sie zu lesen, dann kann man das dann irgendwo hier lesen.

Blogbuster: Leseprobe aus „Air“ von Lukas Vering

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Inzwischen sind stehen ja drei Titel für die Longlist des Blogbuster-Preises 2017 fest – der Kaffeehaussitzer hat sich entschieden und heute auch Mareike von Bücherwurmloch – und da Lukas Vering und ich trotzdem vor haben, auf dem Glücksschwein nach vorn zu reiten (ja, stellt euch das ruhig bildlich vor!), hat Lukas Vering nicht nur hier ein handgemaltes Video als Teaser für seinen Roman zur Verfügung gestellt, sondern auch erlaubt, dass ich eine Leseprobe aus dem Roman online stelle.

Hier könnt ihr also in den Anfang des Romans „Air“ von Lukas Vering reinlesen:

LESEPROBE 1

Eine zweite Leseprobe aus der zweiten Hälfte des Romans wird im März kommen.

Und dann reiten wir auf dem Glücksschwein nach vorn!

 

 

 

 

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Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (2)

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Wie bereits im ersten Teil angekündigt, hier nun der zweite Teil des Fragebogens, mit dem sich Blogbuster-Longlist-Autor (Komposita, Komposita!) Lukas Vering vorstellt. Ich habe dabei unter anderem das schöne Wort „pläsieren“ gelernt, das ich ab sofort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen werde, weil es mir so pläsiert. Los geht’s:

Worum geht es in deinem Roman „Air“?

Es geht um eine fiktive Zukunft, in der unsere immer aktueller werdenden Trends von Entmündigung und Entfremdung durch Technologie handfeste Realität geworden sind. Entwicklungen, die Menschen mehr Freiheit und Unabhängigkeit von natürlichen Ressourcen versprechen, bekommen hier den fahlen Beigeschmack der Dystopie. Und dann sind da noch Hauptfiguren und Nebencharaktere und solch Beiwerk.

Was hat dich dazu angetrieben, diesen Roman zu schreiben?

Der Prozess ist unnachvollziehbar. Die Grundgerüste des Zukunftsentwurfs stammen aus einem anderen Manuskript, das es nicht übers zweite Kapitel hinaus geschafft hat – das hieß übrigens „Keine Elefanten“, so wie jetzt der zweite Teil der Haupthandlung. Dann kam irgendwann die Idee mit der künstlich hergestellten Luft dazu und das Ganze hat sich weiter und weiter gesponnen. Ich will mit dem Roman niemanden zum Technologieskeptiker erziehen, mich fasziniert einfach nur das Spiel mit Zukunftsentwürfen und was wir aus diesen Fiktionen für unser eigenes Hier und Jetzt ziehen können.

Kann Literatur die Welt verändern?

Jeder kann die Welt verändern. Literatur hat immer und immer wieder meine Welt, meine Ansichten, mein Vermögen zu Verstehen verändert. vering_lukas

Ist die Welt überhaupt noch zu retten?

Das Literatur (und ähnliche Spielformen) für den Mainstream immer dummer werden, heißt wohl auch, dass oben erwähnte Bereicherungen für die eigene Perspektive und Fähigkeit, Zusammenhänge anders zu verstehen und aufzugreifen und neue Verbindungen herzustellen, verkümmern. Unser aktuelles Bildungssystem lenkt ebenfalls nicht ein – Kinder werden viel mehr zu funktionierenden Einheiten für die Wirtschaft erzogen. Und schon sind wir nur drei Schritte von der Welt von „Air“ entfernt…

Warum sind Dystopien in den letzten Jahren so beliebt?

Dazu zitiere ich aus „Mailverkehrt Kulturgeschwätz-Vering, die erste“: „Sicher ist das Genre der Anti-Utopien und Dystopien momentan nicht nur durch hochwertige Kost wie Eggers, sondern auch durch all die Filme und TV-Serien mit ähnlichem Themengebiet etwas strapaziert, andererseits denke ich, befinden wir uns in einer Zeit, in der all diese Ausblicke in mögliche Versionen unserer Zukunft spannender denn je sind. Die Welt steht uns technologisch offen, so gut wie alles ist möglich oder zumindest denkbar – kein Wunder also, dass die Leute sich mit möglichen Varianten der Zukunft auseinander setzen wollen.“

Was unterscheidet „Air“ von anderen Dystopien?

„Air“ hat sicher viel, was sich auch in anderen Dystopien finden lässt – das Buch denkt ja vorhandene Tendenzen und Technologien einfach nur weiter. Eine Nuance hat „Air“ aber, die wohl kaum eine andere Dystopie aufweist und vermutlich auch kaum ein Leser aufschnappt: „Air“ spielt im Ruhrgebiet der Zukunft.

Was fasziniert dich an Genre-Literatur?

Genres sind mir egal. Ich stehe aber auf die kleinen, unheimlichen Ausblicke, die etwa die Science Fiction uns in die Zukunft gewährt. Horror pläsiert mir nicht wegen Blut und Gedärmen, sondern wegen der heimlichen Botschaften, die Monster und Mörder durch ihre Schandtaten flüstern.

Hast du ein Lieblings-Genre?

Erotische Teenage-Werwolf Novellen

Liest du auch literarische Klassiker?

Wann ist ein Klassiker ein Klassiker, frage ich und zucke mit den Schultern. Gelesen habe ich dank Studium der Literaturwissenschaften den ein oder anderen.

Wenn du dich medienwirksam für eine Sache einsetzen könntest, was wäre das?

Für die Umverteilung von Kapital – ich bin immer wieder baff, in was für einem ungerechten System wir leben und wie blind wir es akzeptieren. Und wenn wir dann noch alle der Massentierhaltung abschwören, dürfen wir vielleicht auch noch ein paar Jahre länger die Erde bewohnen.

 

Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (1)

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Ich schrieb vor einiger Zeit, dass und warum ich mich beim Blogbuster 2017 für den Roman „Air“ von Lukas Vering entschieden habe. Und weil ich ihn als Autor noch nicht kenne (und ihr vermutlich auch nicht), stellt er sich hier mit einem kleinen Steckbrief vor, der in den nächsten Tagen nochmal fortgesetzt werden soll. Los geht’s:

Name: Lukas Vering

Alter: 28

Seit wann schreibst du?

Eine meiner ersten freien Schreibaufgaben in der Grundschule handelte von einem Vampir in einer Küchenbank. Die anderen Kinder haben beschrieben, wie sie sich mit dem Vampir angefreundet haben – mein Vampir musste in den Backofen gesteckt und verbrannt werden, bevor er jemanden tot beißen kann. Da wusste ich es… hör niemals auf zu schreiben.

Warum schreibst du?

Einerseits, weil es das einzige Hobby ist, dass über all die Jahre hinweg überlebt hat. Andererseits, weil ich seit dem ersten halbgaren Romanversuch nicht mehr aufhören kann zu versuchen, der Welt etwas zu sagen. Irgendwas.

Was ist dir beim Schreiben wichtig? vering_lukas

Ich will dem Leser zeigen, wie die Welt aussieht, klingt, riecht und schmeckt, die ich mir ausgedacht habe. Außerdem ist mir wichtig, dass mein Text eine Aussage hat, die jeder Leser auf seine Art verstehen kann.

Was machst du, wenn du nicht schreibst?

Filme gucken, Fotos machen und Party like a Rockstar (naja)

Wenn du nicht schreiben würdest, würdest du…?

Malen

Wenn du nicht du wärst, wärst du gerne…?

Robin (von Batman und Robin)

Beschreibe dich in fünf Büchern:

Station Eleven (Emily St. John Mandel), Spieltrieb (Juli Zeh), The Year of the Flood (Margaret Atwood), Schiffbruch mit Tiger (Yann Martel), Harry Potter und ääähh .. der Feuerkelch? (J.K. Rowling)

Welches Buch sollte jeder gelesen haben und warum?

Brave New World von Aldous Huxley, weil es dich für viele Dinge sensibilisiert und dir gutes Werkzeug an die Hand gibt, um skeptisch auf Fortschritt, Technologie, Religion, Kultur und Identität zu schauen

Was würdest du machen, wenn du beim Blogbuster gewinnen würdest?

Meine Freizeit kündigen und nur noch neue Bücher schreiben.

Man muss die Menschheit mögen, denn…

…sie ist so herrlich hilflos wie ein Pinguin auf dem Glatteis.

giphy

Blogbuster: „Air“ von Lukas Vering bekäme ein Foto von mir…

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… wenn ich Heidi Klum wäre. Abseits der Albernheiten:

Mitte der Achtziger prägte der Soziologe Ulrich Beck den Begriff der „Risikogesellschaft“ für die Gesellschaft, in der wir leben, und die sich durch drei Dinge auszeichnet: 1. Das Verhältnis der Industriegesellschaft zu den Ressourcen, die sie verbraucht; 2. Das Verhältnis der Gesellschaft zu den von ihr erzeugten Gefahren, die die Grundannahmen der bisherigen Gesellschaftsordnung erschüttern; 3. Den Prozess der Individualisierung, da alle kollektiven Sinnquellen erschöpft sind. Unsere Gesellschaft lebt mit Risiken bzw. erzeugt diese überhaupt erst, da die Ressourcen, die wir verbrauchen, endlich sind; da wir selbst Gefahren hervorrufen, die wir eigentlich nicht erzeugen wollen – Beispiele sind die Reaktorunfälle, die die Folge der auf den ersten Blick „sauberen“ Atomenergie sind, oder multiresistente Keime, wenn man inflationär mit Antibiotika um sich schmeißt; und da den Menschen das, was ihrem Leben Sinn gibt, in der Folge von der Herauslösung aus traditionellen Sozialformen, durch die „Entzauberung“ der Welt im Zuge der radikalen Zurückgeworfenheit auf sich selbst als Individuum abhanden gekommen ist. Die Risiken, mit denen wir heute leben, sind in erster Linie durch den Menschen selbst hervorgerufene Risiken, und eben nicht mehr dominant durch die Natur hervorgerufene Risiken. (Ich hoffe, es kommen nicht gleich lauter Soziologen und schimpfen mich, weil ich alles verkürze und schief darstelle.)

Eine Gesellschaft, die genau das (scheinbar) überwunden hat, stellt Lukas Vering in „Air“ vor: Die Menschheit hat sich hier vollständig von der Natur und ihren Ressourcen gelöst, sie kontrolliert sich und ihre Umgebung vollständig, sie schafft sich und ihre Umgebung vollständig selbst. Sie ist nicht mehr auf natürliche Ressourcen angewiesen. Hier ist alles künstlich und unter Kontrolle – sogar die Luft, die die Menschen atmen, ist künstlich.

„Die Luft ist dünn. Sie hinterlässt den sterilen Geschmack von Plastik auf der Zunge. Jeder Atemzug füllt die Lungen mit synthetischem Sauerstoff, der unablässig in die Straßen der Stadt sickert, sie überflutet und ertränkt und sie schon lange, lange wie ein Ozean unter sich begraben hat; der leicht, kaum merklich, nach Plastik schmeckt.“(Lukas Vering: Air, S. 1 – Romananfang)

Das einzige Stück Natur, dass der Menschheit noch gefährlich werden könnte, ist der Ozean – aber der wird durch Beton in Schach gehalten. Die Welt, die Lukas Vering hier bis ins Detail und wahnsinnig geschlossen entwirft, ist eine, die die ersten beiden Aspekte der „Risikogesellschaft“ ausgeschaltet hat. Aber die Menschen haben sich eben nicht verändert – der dritte Aspekt der „Risikogesellschaft“ bleibt. So sicher, komfortabel und kontrolliert das Leben auch immer ist – es gibt immer einzelne, die nach einem Sinn suchen. So ist das bei Ty Redfern427 und bei Pamina, den beiden Hauptfiguren des Romans, der Fall – und bei einigen anderen. Ihnen nimmt die Kontrolle, die kalte Vernunft, mit der alles durchgeplant und organisiert wird, im wahrsten Sinne des Wortes „die Luft zum Atmen“. Und aus dieser Welt suchen sie und andere Figuren im kleinen oder im großen einen Ausweg – mit einem wirklich überraschenden und wie ich finde sehr gelungenen Ende.

Aus diesem Grund, und weil der Roman für mein Empfinden kompositorisch wie sprachlich richtig gut gemacht ist, habe ich mich für „Air“ von Lukas Vering entschieden. Ja, es handelt sich um SciFi und damit um Genre-Literatur und es kann sein, dass die Fachjury den Roman deswegen ganz schnell aussortiert. Für mich ist das aber der Roman, der mich echt beschäftigt und gepackt hat – zugegebenermaßen erst irgendwo zwischen S. 90 und S. 100, davor fand ich ihn „nur“ gut, aber das ist bei einem Roman mit über 500 Seiten auch eher die Regel, dass es eben etwas Anlauf braucht, bis man richtig „drin“ ist. Keine Ahnung, ob die Fachjurymenschen dem Roman überhaupt so viel Zeit geben. Und: „Genre“ heißt ja nicht, dass da nichts Literarisches zu finden wäre: Kompositorisch finde ich das – wie geschrieben – wahnsinnig gut, es gibt selbstverständlich Motive, die sich durch den Roman ziehen (das Bild des Ozeans, das Motiv des Baumes…), und der Roman braucht sich nun sprachlich hinter den Romanen der Gegenwartsliteratur für ein Empfinden nicht zu verstecken. Aber was weiß ich, wie andere das sehen. Kann mir ja aber auch egal sein: Ich habe diesen Roman mit Gewinn und gerne gelesen und bin wirklich froh, dass ich ihn lesen durfte.

Aus diesem Grund: Der Roman, den ich an die Fachjury weitergeben werde, ist „Air“ von Lukas Vering.

Trotzdem möchte ich noch einmal allen AutorInnen danken, die sich beworben haben. Jeder von euch hat ein Buch geschrieben, das würde ich schon gar nicht auf die Reihe kriegen, und dafür habt ihr alle wirklich meinen Respekt. Dankeschön! Und: Schreibt bitte weiter!

Und auch, wenn ich an anderer Stelle schon einmal dafür geschimpft wurde, dass ich Autorennamen genannt habe (ich nenne deswegen auch keine weiteren mehr), ich möchte die SchriftstellerInnen, die ich in meinem letzten Blogbeitrag zum Blogbuster ohnehin schon genannt habe, hier nochmal nennen, weil ich mir wünschen würde, dass ihr als geschätzte Leser denen, wenn sie euch mal unterkommen, eine Chance gebt:

Das ist Felix Wieduwilt, der mit „Urteil ohne Gott“ einen philosophischen, angesichts neuester medizinischer und technischer Entwicklungen sehr aktuellen Roman geschrieben hat, der die Frage stellt, wo die Grenze zwischen Mensch und Roboter verläuft. Da ist Johanna Kindermann, die mit „Zwei Königinnen“ das schon aus der Romantik bekannte Doppelgänger-Motiv aktualisiert, die Frage nach dem, was Identität ausmacht, diskutiert, und das alles mit der Geschichte von Maria Stuart und Elisabeth I. verbindet. Da ist Tessa Schwartz, die in „Gewaltlos“ von zwei Frauen erzählt, die in einer Welt der Zukunft um so etwas wie ein bisschen Glück, wenigstens aber doch um so etwas wie eine Normalität ringen.

Und gesondert erwähnen möchte ich noch einmal Elyseo da Silva mit „Mosaik der verlorenen Zeit“, weil sein Buch ja eben schon im Selfpublishing erschienen ist. Ich verstehe beim besten Willen nicht, warum dieser Roman keinen Verlag hat – Leute, die Carlos Ruiz Zafon mögen, sollten hier mal einen Blick riskieren. Das ist wirklich ein gut gemachter Roman, der ja auch seinen Lesern durchaus etwas zu geben scheint, wie man daran sieht, dass er (eben ohne Verlag und Marketing) beim lovelybooks-Preis in der Kategorie „Historischer Roman“ Platz 16 von 35 gemacht hat und auf Amazon von 25 Rezensionen 22 5-Sterne-Rezensionen sind. Ich denke, das ist ein Roman, der für viele wirklich funktioniert, und würde mir wirklich wünschen, dass irgendein Verlag das endlich macht.

Trotz allem: Aus den oben ausgeführten Gründen, habe ich mich für „Air“ von Lukas Vering entschieden, und freue mich wirklich darüber, dass ich diesen Roman zugeschickt bekommen habe.