Heute erscheint „Kein schöner Land“

Kein schoener Land IIHeute wurde „Kein schöner Land. Angriff der acht auf die deutsche Gegenwart“ veröffentlicht – den Band hat Leander Steinkopf herausgegeben, und in ihm schreiben vier Autorinnen und vier Autoren über insgesamt acht Themenbereiche deutscher Gegenwartskultur. Leander Steinkopf selbst hat über die kulinarischen Köstlichkeiten, die man hierzulande so serviert bekommt, geschrieben. Quynh Tran nimmt in ihrem Text das Stil- und Modebewusstsein der Deutschen auseinander, Noemi Schneider hadert hier und da mit dem deutschen Film, Annekathrin Kohout wünscht sich einen neuen Blick auf Kunst und Ästhetik, Simon Strauß plädiert für mehr aufrichtiges und leidenschaftliches Spiel am Theater, Lukas Haffert denkt Politik neu und Daniel Gerhardt wünscht sich mehr Haltung in der Popmusik (sein Text erschien auch schon als Vorabdruck bei Zeit Online und kann hier gelesen werden).

Ich habe auch einen Text für dieses Buch geschrieben, er befasst sich leider nicht mit Wolpertingern, obwohl ich auf dem Gebiet der Verhaltensforschung dieser Tiere eine international anerkannte Fachfrau bin, sondern mit Literatur. Ende letzten Jahres, als ich den Text geschrieben habe, war die Krise des Buchmarktes noch in aller Munde, und entsprechend habe ich den Literaturbetrieb als Markt zu betrachten versucht und davon ausgehend gefragt, ob eigentlich die deutschsprachige Gegenwartsliteratur daran schuld sei, dass immer weniger Leute lesen, oder ob es nicht eher mehr und neue Wege der Literaturvermittlung bräuchte.

Das für mich persönlich eigentlich schönste an diesem Band ist übrigens, dass hier wirklich ganz unterschiedliche junge kluge Leute (na ja, und ich halt) mit ganz unterschiedlichen Standpunkten und Perspektiven zusammengekommen sind und dass diese Standpunkte und Perspektiven dabei nebeneinander stehen können, zwischen zwei Buchdeckeln, ohne einander die Berechtigung absprechen zu wollen, aber gleichzeitig ohne die eigene Position aufzugeben.

Und es sind wirklich spannende Texte dabei, also schaut doch mal rein. Das Buch kostet 18 Euro, wenn man mit einem 20 Euro-Schein zahlt, kann man von den verbleibenden zwei Euro dann bequem noch ein Bier kaufen. Oder ein Spezi.

Mehr über Anlage und Konzept des Buches könnt ihr auch hier erfahren.


7 Gedanken zu “Heute erscheint „Kein schöner Land“

  1. Wie üblich scheffelst du tief beziehungsweise stellst dein Talent unter den Stapel. Dabei bin ich mir sicher, dass dein Beitrag klug und differenziert sein wird und in 100 Jahren noch in literaturwissenschaftlichen Seminararbeiten zitiert werden wird. Mich interessieren nicht alle Themen in dem Buch und zum Pop-Artikel in der Zeit hätte ich einige Anmerkungen – aber dein Essay lese ich sicher bald.

  2. Keine Ahnung, ob dies schon zu einem allgemeinen Indiz hinsichtlich typischer Bewusstseins-Modi „hierzulande“ reicht, aber mir springen die Verben ins Auge: „nimmt auseinander“, „hadert mit“, „wünscht sich einen neuen“, „plädiert“, „denkt neu“, „wünscht sich mehr“.
    Wir haben in D einen Haufen Kolumnisten, die von nichts anderem leben, als Woche für Woche eher gefühlte als gut belegte Attacken gegen irgendetwas und irgendwen vorzutragen (haha, verfalle ich in den gleichen Fehler? Hoffentlich nicht, es geht mir um eine persönliche Beobachtung, und selbstverständlich beobachte ich auch die besseren Kurz-Essayisten und Meinungsschreiber mit ihrem aufopferungsvollen Bemühen um Aufschlüsselung von Details oder Zeitlagen, die sich nicht so leicht auf das übliche Positionsspiel reduzieren lassen).
    „Mein Meinungsbeitrag ist mein Messer“ – das hätte im Übrigen auch eine Nachfrageseite, die Menschen, die weniger nach Erkenntnis als nach Attacken gegen ihre Lieblingsfeinde lechzen? Immer müssen die Gedanken aufs favorisierte Wofür und Wogegen passen.
    Dieses Schreiben „with a purpose“ fällt auf, wenn es anscheiend so massiert auftritt. Was ist mit den anderen Essay-Richtungen? Es wären doch auch Verben möglich wie „beobachtet“, „spürt dem Rätsel nach“, „wundert sich“, „vertieft sich in“, „versucht zu verstehen“, „ist verwirrt von“, usw.
    Gut möglich, dass die Beiträge gedankenreich und anschauungsvoll sind. Mich höre ich allerdings bei Verben wie „plädiert für“ erst einmal aufseufzen.

    1. Ja, gut, mag sein, dass meine Formulierungen hier nicht gut waren, aber ich fände es doch sehr bedauerlich, wenn man das dann den Texten von anderen, die nichts für meine Formulierung hier können, so ungelesen ankreidet. Es sind längere Texte, natürlich ist jede Zusammenfassung dieser Texte von mir in einem Halbsatz eine Verkürzung. Es ging mir auch lediglich darum, einen Überblick über die Themen zu geben, ohne einfach siebenmal „XY schreibt über Z“ zu schreiben. Man kann meinen Text hier blöd finden, aber vielleicht deswegen nicht die Texte anderer.

      1. Nichts liegt mir ferner als anzukreiden. Es geht mir um Beobachtung, Eigendistanz und dann um die Frage, ob eben in Formulierungen die „Zeitatmosphäre“ sich zeigt? Der Untertitel atmet ja auch diese Luft, die ich meine („Angriff der Acht auf die deutsche Gegenwart“) und dann im Buch-Werbetext der gleiche Ton, „acht Nadelstiche gegen“ etc. etc. Ich wünsche jedem gedanklich anregenden Buch den höchstmöglichen Erfolg und die beste Leserschaft und dein kurzer Hinweis ist doch gut geschrieben, unverkrampft und ohne zu viel Aufwand. Bei mir meldet sich lediglich die Nebenfrage, ob es noch Kulturanalysen gibt, die nicht bei einem impliziten Feindbild starten, um dann auch nicht viel weiter als eben dort zu landen? Nichts gegen Streit als Rubrik (ZEIT), aber gab es nicht mal noch etwas mehr als nur das? Und was ist mit dem Publikum los, wenn der Verlag annimmt, das Leseverlangen könne am ehesten übers Frontmachen geweckt werden?
        (Übrigens würde mich am meisten der Beitrag zur Mode interessieren – wo sonst sprechen sich die Unterströmungen einer Gesellschaft so frei von begrifflichen Verbiegungen und begrifflicher Begreifbarkeit aus wie in der Mode? Gibt, glaube ich, nichts Schwierigeres als die Gründe der Moden zu durchschauen. Da ist, wenn man so will, das Verstehenwollen in seiner reinsten Form gefordert.)

      2. Ich fände es ehrlich gesagt besser, wenn man die Texte des Buches lesen und dann die Texte in ihrer Absicht beurteilen würde, statt hier meinen Blogeintrag neben die Werbetexte des Verlags zu stellen und daraus abzuleiten, was die Texte im Buch wollen. Ich bin auch keine professionelle Werbetexterin und möchte als solche nicht gelesen werden. Die Texte im Buch vertreten – auch darauf habe ich hingewiesen – ganz unterschiedliche Positionen und haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Ich würde selbstverständlich genauso wenig den Text von irgendeiner anderen Autorin oder irgendeinem anderen Autor in diesem Text unterschreiben wie diese meinen – ich finde es nicht so recht zutreffend, wenn man hier eine einheitliche Haltung eines Kollektivs annimmt, auch wenn die Werbung des Verlags etwas anderes andeutet. Das ist aber eben Werbung, für die ich weder verantwortlich bin, noch an der ich gemessen werden möchte. Man kann meinen Text im Band gerne blöd finden, aber nicht, weil man ihn am Werbetext oder an der Leseprobe gemessen hat, das sind andere Texte von anderen Leuten mit anderen Zielsetzungen und anderen Vorstellungen davon, wie man Diskurse führen sollte. Die Autorin, die über Mode geschrieben hat, hat übrigens ein Interview für DLF Nova gegeben, das müsste man auch per Google finden können.

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