Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (2)

blogbuster-logo

Wie bereits im ersten Teil angekündigt, hier nun der zweite Teil des Fragebogens, mit dem sich Blogbuster-Longlist-Autor (Komposita, Komposita!) Lukas Vering vorstellt. Ich habe dabei unter anderem das schöne Wort „pläsieren“ gelernt, das ich ab sofort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen werde, weil es mir so pläsiert. Los geht’s:

Worum geht es in deinem Roman „Air“?

Es geht um eine fiktive Zukunft, in der unsere immer aktueller werdenden Trends von Entmündigung und Entfremdung durch Technologie handfeste Realität geworden sind. Entwicklungen, die Menschen mehr Freiheit und Unabhängigkeit von natürlichen Ressourcen versprechen, bekommen hier den fahlen Beigeschmack der Dystopie. Und dann sind da noch Hauptfiguren und Nebencharaktere und solch Beiwerk.

Was hat dich dazu angetrieben, diesen Roman zu schreiben?

Der Prozess ist unnachvollziehbar. Die Grundgerüste des Zukunftsentwurfs stammen aus einem anderen Manuskript, das es nicht übers zweite Kapitel hinaus geschafft hat – das hieß übrigens „Keine Elefanten“, so wie jetzt der zweite Teil der Haupthandlung. Dann kam irgendwann die Idee mit der künstlich hergestellten Luft dazu und das Ganze hat sich weiter und weiter gesponnen. Ich will mit dem Roman niemanden zum Technologieskeptiker erziehen, mich fasziniert einfach nur das Spiel mit Zukunftsentwürfen und was wir aus diesen Fiktionen für unser eigenes Hier und Jetzt ziehen können.

Kann Literatur die Welt verändern?

Jeder kann die Welt verändern. Literatur hat immer und immer wieder meine Welt, meine Ansichten, mein Vermögen zu Verstehen verändert. vering_lukas

Ist die Welt überhaupt noch zu retten?

Das Literatur (und ähnliche Spielformen) für den Mainstream immer dummer werden, heißt wohl auch, dass oben erwähnte Bereicherungen für die eigene Perspektive und Fähigkeit, Zusammenhänge anders zu verstehen und aufzugreifen und neue Verbindungen herzustellen, verkümmern. Unser aktuelles Bildungssystem lenkt ebenfalls nicht ein – Kinder werden viel mehr zu funktionierenden Einheiten für die Wirtschaft erzogen. Und schon sind wir nur drei Schritte von der Welt von „Air“ entfernt…

Warum sind Dystopien in den letzten Jahren so beliebt?

Dazu zitiere ich aus „Mailverkehrt Kulturgeschwätz-Vering, die erste“: „Sicher ist das Genre der Anti-Utopien und Dystopien momentan nicht nur durch hochwertige Kost wie Eggers, sondern auch durch all die Filme und TV-Serien mit ähnlichem Themengebiet etwas strapaziert, andererseits denke ich, befinden wir uns in einer Zeit, in der all diese Ausblicke in mögliche Versionen unserer Zukunft spannender denn je sind. Die Welt steht uns technologisch offen, so gut wie alles ist möglich oder zumindest denkbar – kein Wunder also, dass die Leute sich mit möglichen Varianten der Zukunft auseinander setzen wollen.“

Was unterscheidet „Air“ von anderen Dystopien?

„Air“ hat sicher viel, was sich auch in anderen Dystopien finden lässt – das Buch denkt ja vorhandene Tendenzen und Technologien einfach nur weiter. Eine Nuance hat „Air“ aber, die wohl kaum eine andere Dystopie aufweist und vermutlich auch kaum ein Leser aufschnappt: „Air“ spielt im Ruhrgebiet der Zukunft.

Was fasziniert dich an Genre-Literatur?

Genres sind mir egal. Ich stehe aber auf die kleinen, unheimlichen Ausblicke, die etwa die Science Fiction uns in die Zukunft gewährt. Horror pläsiert mir nicht wegen Blut und Gedärmen, sondern wegen der heimlichen Botschaften, die Monster und Mörder durch ihre Schandtaten flüstern.

Hast du ein Lieblings-Genre?

Erotische Teenage-Werwolf Novellen

Liest du auch literarische Klassiker?

Wann ist ein Klassiker ein Klassiker, frage ich und zucke mit den Schultern. Gelesen habe ich dank Studium der Literaturwissenschaften den ein oder anderen.

Wenn du dich medienwirksam für eine Sache einsetzen könntest, was wäre das?

Für die Umverteilung von Kapital – ich bin immer wieder baff, in was für einem ungerechten System wir leben und wie blind wir es akzeptieren. Und wenn wir dann noch alle der Massentierhaltung abschwören, dürfen wir vielleicht auch noch ein paar Jahre länger die Erde bewohnen.

 

Advertisements

Ein Gedanke zu „Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (2)

  1. Pingback: [Kulturgeschwätz] Blogbuster: Lukas Vering stellt sich vor (2) – #Literatur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s