Ein vorweihnachtlicher zweiter Blogbuster-Zwischenstand

blogbuster-logoVor ungefähr einem Monat habe ich zuletzt über das geschrieben, was sich bei mir so in Sachen „Blogbuster“ getan hat, damals habe ich über „Mosaik der verlorenen Zeit“ von Elyseo da Silva berichtet. Ich bin gerade dabei, den Roman zu lesen, mit einiger Verzögerung, da zwischendurch mein eBookreader den Geist aufgegeben hatte. Aber jetzt lese ich wieder.

Das war es aber nicht schon, denn im letzten Monat haben mich noch ein paar Bewerbungen erreicht, und von einigen möchte ich kurz berichten:

Ich habe beispielsweise „Der Säulenversteher“ von Franco Rest zugesandt bekommen. In diesem Buch geht es um einen Mann, der während eines Rom-Urlaubs zu dem geheimen Treffen von Säulenfiguren und Säulenheiligen eingeladen wird, von denen ihm allerhand über die Geschichte dieser Figuren und der Welt erzählt wird. Das ist alles sehr aufwändig recherchiert und man kann beim Lesen sicherlich viel lernen, Rest hat sich hier auch allerhand Gedanken gemacht, zum Beispiel dazu, warum die Statuen immer im Konjunktiv und von sich selbst in der dritten Person sprechen – ich erkenne das an, habe das Buch aber abgelehnt, weil ich glaube, dass das in einem größeren Verlag nicht funktionieren würde. Auch ich fand das Lesen ein bisschen mühsam, und ich glaube, ich bin was „unkonventionelle sprachliche Gestaltung“ angeht relativ dickhäutig, also glaube ich nicht, dass der Roman für einen größeren Verlag funktionieren würde. Dennoch: Die Idee ist ja interessant, man lernt viel, und wer sich für das Buch interessiert: Es ist per selfpublishing erschienen und kann also gekauft und gelesen werden: http://www.blurb.de/b/7273679-der-s-ulenversteher

Davon abgesehen habe ich vor allem Sci-Fi-Romane bekommen, und das ist ja ein Genre, mit dem ich mich nicht so auskenne, dennoch habe ich hier einige Manuskripte angefordert:

Da ist zum Beispiel „Urteil ohne Gott“ von Felix Wieduwilt, ein Roman über John, einen Familienvater, der in einer Zukunft lebt, in der genetische Veränderungen am Menschen zum staatlichen Gesundheitsprogramm und Haushumanoide zum Alltag gehören – die Grenzen zwischen Mensch und Roboter verschwimmen zusehends, beide sind auf unterschiedliche Weise „optimierbar“, „herstellbar“. Deutlich wird dies, wenn John aus Eifersucht den Haushumanoiden seiner Frau, Billy, angreift, und dafür vor Gericht gestellt wird. Ich finde die Idee zu diesem Roman superspannend, sprachlich bin ich noch nicht ganz überzeugt, nicht weil die Leseprobe schlecht geschrieben wäre, sondern weil die Sprache einfach nicht so ganz meine Ästhetik ist, aber ich werde in das Manuskript weiter reinlesen.

Ähnlich verhält es sich mit „Gewaltlos“ von Tessa Schwartz. Auch dieser Roman ist in der Zukunft verortet, er erzählt von Erin, die ein trostlosere Leben in prekären Verhältnissen führt, von ihrem Partner wie ihrem Chef drangsaliert wird, bis sie Zaara kennenlernt. Zaara hat aber in der Stadt, in der Erin lebt, nur einen Auftrag zu erledigen, da ihr Land, das bereits 2020 zerstört wurde, erneut bedroht wird. Interessant finde ich hier, wie sich Gegenwartskritik und Zukunftsprognose verbinden. Tessa Schwartz ist Mitglied der Darmstädter Textwerkstatt von Kurt Drawert und stand mit „Zweistromland“ auf der Shortlist des Bonner Literaturpreises 2016, kann also schon schreiben – aber auch hier trifft die Sprache nicht ganz meine Sprachästhetik, ich schaue mir das Manuskript aber noch an und freue mich darauf.

Sprachlich gut gefallen hat mir die Leseprobe aus „Zwei Königinnen“ von Johanna Kindermann. Hier finde ich auch die Idee ziemlich cool: Der Roman handelt von einer jungen Frau, die bei einem Teleportations-Unfall versehentlich verdoppelt worden ist und den sich daran anschließenden Kämpfen der beiden identischen Frauen um ihre Identität. Hier habe ich das Exposé gelesen und hatte ein bisschen Sorge, ob der Roman nicht etwas überkonstruiert sein könnte, fand die Leseprobe dann aber wirklich gut und bin gespannt darauf, in den ganzen Roman hineinzulesen.

Wiederum ähnliche Sachlage: „Air“ von Lukas Vering. Hier handelt es sich um einen Roman über einen jungen Mann, der in einem anti-utopischen Zukunftsstaat lebt, in dem alles künstlich ist, in dem selbst die Partnerwahl von Dating Apps übernommen wird – und von seinen Ausbruchsversuchen aus diesem System, das manche Aspekte unserer gegenwärtigen web 2.0-Gesellschaft überspitzt aufzugreifen scheint. Beim Lesen des Exposés dachte ich „Och nö, nicht noch eine Anti-Utopie, das Genre ist doch langsam durch“, die Leseprobe fand ich dann aber gut geschrieben, auch hier bin ich gespannt auf das Manuskript.

Zwei weitere Bewerbungen, die ich heute bekommen habe, habe ich noch nicht angeschaut.

Und, wie geschrieben: Ich lese im Moment Elyseo da Silvas „Mosaik der verlorenen Zeit“, ein Roman über Trauer, den Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft und die Suche nach dem richtigen Leben im Falschen, die Maya-Spiritualität und den Bürgerkrieg in Guatemala.

Im Moment muss ich tatsächlich sagen, dass ich mich mit der Auswahl recht schwer tue, weil alle Romane eigentlich eben inhaltlich nicht das sind, was ich normalerweise lese, weswegen ich mich doch mit der Einschätzung schwer tue. Bei „Mosaik der verlorenen Zeit“ – auch wenn ich manches an dem Roman weltanschaulich nicht teile, wie ich bereits in meinem letzten Beitrag angedeutet hatte, vielleicht schreibe ich dazu auch in Zukunft irgendwann noch einmal etwas ausführlicher etwas – verstehe ich tatsächlich nicht, warum dieser Roman keinen Verlag gefunden hat, ich glaube, das ist schon ein Buch, das viele ansprechen würde und das tatsächlich auch vielen was geben könnte. Im Moment bin ich wirklich noch etwas verwirrt. Aber ich hoffe, das legt sich, wenn ich in die Manuskripte der anderen Romane reinlese. Und ich finde es cool, was für Ideen die Leute da draußen, die schreiben, so haben – ich glaube, das ist eigentlich für mich bisher das Schönste an dem ganze Blogbuster-Gedöns: Das ich mal einen klitzekleinen Einblick in die Schreiberwelt hinter den Verlagen bekomme. Und es tut mir jetzt schon wahnsinnig leid, dass ich mich am Ende für ein Buch und gegen die anderen entscheiden muss. Ich glaube, das fällt mir einfach doch wiedermal schwerer als gedacht.

Wenn ihr Lust habt, würde mich aber eure Einschätzung interessieren: Welches der vorgestellten Bücher würde euch thematisch am ehesten interessieren?

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14 Gedanken zu „Ein vorweihnachtlicher zweiter Blogbuster-Zwischenstand

  1. Pingback: Ein vorweihnachtlicher zweiter Blogbuster-Zwischenstand – Blogbuster

      1. marinabuettner

        Seltsam, denn dann werden die Einsendebedingungen nicht eingehalten … ich zitiere:
        „Verstöße gegen die Teilnahmebedingungen können zum Ausschluss führen.“

    1. kulturgeschwaetz Autor

      Und: Wenn ich das streng nähme, hätte ich gar kein Buch, das ich weiterreichen könnte, weil auch „Mosaik der vergangenen Zeit“ Züge eines historischen Romans und aus dem Fantasy-Genre hat.

      Antwort
  2. Pingback: [Kulturgeschwätz] Ein vorweihnachtlicher zweiter Blogbuster-Zwischenstand – #Literatur

    1. kulturgeschwaetz Autor

      Na, die Fachjury entscheidet. Wenn ich nen Genreroman weitergebe und die wollen den nicht, nehmen sie ihn halt nicht. Sind ja noch genug andere Blogger da, die werden ja andere Bücher haben.

      Antwort
  3. Juliane

    Die Autoren und Autorinnen sehen dich also als Sci-Fi-Lady! Auch ne Message. 😉
    Mich würde auch am ehesten „Zwei Königinnen“ interessieren. Das könnte vielleicht auch ganz witzig werden. Außerdem finde ich Identitätsfragen in Romanen immer ganz interessant.

    Antwort
    1. kulturgeschwaetz Autor

      Ich glaub eher, dass das daher kommt, dass ich angegeben habe, dass ich mich für so Gesellschaftsfragen und Politik interessiere und dass ich eben persönlich Genre nicht ausgeschlossen habe. Aber ich finds auch witzig, ja.;) vielen Dank! Ich glaub auch, mit dem fang ich mal an.

      Antwort
  4. Pingback: Blogbuster – Take two – novelero

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