Marie-Luise Recker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

recker-brdBald ist Tag der deutschen Einheit! Und darum möchte ich euch ein passendes Büchlein vorstellen, das mir während der Lektüre ganz besonders ans Herz gewachsen ist: Marie-Luise Reckers Novelle „Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.

Zunächst zum Cover:

Das Buchcover ist soooo schön! Auf einem goldglänzenden Hintergrund thront mit himmlischstem AfD-Blau hinterlegt die Deutschlandfahne wie das Bildchen eines Heiligen auf dem blattgoldenen Hintergrund einer Ikone, und damit knüpfen ja die Buchgestalter an klassische Motive an, stand doch in ganz analoger Weise wie hier der goldene Hintergrund bei Ikonen für das göttliche Licht.

Der Klappentext:

„Marie-Luise Reckers kompakte Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gilt inzwischen als Standardwerk. Das Buch beschreibt zuverlässig und anschaulich den Aufbau der parlamentarischen Demokratie, die wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Veränderungen, die Wiedervereinigung sowie die europäische und internationale Einbettung Deutschlands. Für die dritte Auflage wurde der Band durchgesehen und auf den neuesten Stand gebracht.“

Schon der Klappentext lässt also ein Maximum an Spannung erwarten, und es wird schon hier deutlich: Der Leser muss sich nicht vor weit ausschweifenden Handlungssträngen oder Nebenhandlungen fürchten, nein, hier wird der zentrale Erzählstrang kompakt und anschaulich verfolgt. Und: Es ist ein Standardwerk, jeder sollte es also 1mal gelesen haben!

Die Handlung:

Am Anfang gibt es eine Rahmenhandlung, in der der Erzähler (es könnte auch eine Erzählerin sein, so ganz klar wird das nicht) vorgibt, eine alt bekannte Geschichte von der BRD neu zu erzählen – das ist also eine ganz typische Quellenfiktion, die noch dadurch verstärkt wird, dass am Ende der Novelle die Rahmenhandlung geschlossen wird, indem unter sogenannter „Weiterführender Literatur“ eben diese angeblich existenten Quellen genannt werden. Der Erzähler untergräbt aber gleich seine eigene Glaubwürdigkeit, indem er darstellt, was er alles nicht genau erzählen kann – der Leser muss sich also im Laufe der Lektrüüüre selbst überlegen, ob nicht die wirklich wesentlichen Sachen (Hohlwelt, Chemtrails, Reptiloide, Elvis, und wo ist eigentlich König Ludwig?) weggelassen wurden.

Und dann nach dieser Rahmenerzählung geht der Erzähler aber auch gleich in medias res: Er erzählt die Geschichte der kleinen Bonner Republik, die von ihren hässlichen Eltern in einem Schutthaufen – aber nicht ohne Verbündete – ausgesetzt worden ist. Die kleine BRD ist so empört über ihre Eltern, das sie behauptet, mit denen gar nichts gemein zu haben (was natürlich – Achtung, Spoiler! – gar nicht so ganz stimmt), und durchläuft eine ereignisreiche Geschichte mit manchen Irrungen und Wirrungen, bis sie endlich ihre innere Spaltung von der etwas ramponierten DDR überwindet und so in wenig trauter Einheit Richtung Zukunft marschiert, ah, pardon, eher schlendert, „marschieren“ war mehr Sache der Eltern. Wir haben es hier mit einem echten coming of Age-Roman zu tun: Die frühe Kindheit ist geprägt von regem Wachstum, gestützt und genährt von Verbündeten, insbesondere ein gewisser Marshall spielt hier eine entscheidende Rolle. Es folgen Flegeljahre, in denen sich die nun jugendliche BRD wirklich aller Erinnerungen an die Eltern zu entledigen sucht, wer kennt solche pubertären Phasen nicht, und so ganz funktioniert das ja dann immer nicht, man bleibt eben doch immer verwandt, gell. Langsam wird die BRD dann erwachsen, kommt quasi im Berufsleben an, und hier hat die Geschichte dann auch leider einige Längen und ist mitunter unnötig kompliziert. Die Handlung nimmt allein dann ein wenig Fahrt auf, wenn die inzwischen gar nicht mehr so kleine Bonner Republik überlegt, ob sie die Silvesterraketen von Onkel Sam wirklich annehmen soll. Getrieben wird die Handlung aber von der Sehnsucht der BRD nach ihrem Geschwisterchen, der schon genannten DDR. Und wie ich vorher schon angedeutet habe, gibt es hier auch quasi ein Happy End, wenn auch das junge Glück schnell eine Trübung erfährt, von der es sich nicht ganz erholt und dann kommen auch ganz schnell neue Probleme hinzu und es wird noch mal richtig, richtig spannend, aber: Das Ende will ich euch nicht verraten, das müsst ihr einfach selbst lesen! *ggg*

Leider weiß man natürlich nicht, wie es wirklich war, weil der Erzähler ja schon von Anfang an gesagt hat, dass er nicht alles erzählt (Chemtrails, BRD GmbH, Reptiloide, Wolpertinger FEHLEN GANZ!!!!11!1!11).

Meine Meinung:

Insgesamt hat Frau Recker wirklich alles Überflüssige weggelassen UND AUCH EINIGE WICHTIGE FAKTEN UNTERSCHLAGEN!!!!!, wegen der zügig vorangetriebenen Handlung liest sich das Buch aber sehr flüssig. Sprachlich ist die Novelle manchmal etwas spröde und wie ich schon schrieb: Trotz der Kürze des Buches gibt es die ein oder andere Länge und einige Komplikationen oder Schicksalswenden sind wirklich unnötig kompliziert und unrealistisch überkonstruiert. Die Figurengestaltung ist Recker nicht so gut gelungen, ich konnte mich weder mit der BRD noch mit der DDR (ok, die spielt in dem Buch auch eher eine Nebenrolle) so richtig identifizieren. Manche Figuren sind auch echt voll unrealistisch, ich mein, diese ganzen beleidigt abtretenden komischen Männer im Parlament die ganze Zeit, und dann dieser Kohl, und warum kommen da denn überhaupt nie Frauen vor, gibt es in dem Land, in dem die Handlung spielt, nur Männer? Weil aber das Buchcover so hübsch ist und sich Frau Recker echt ne Menge hat einfallen lassen gibt es von mir zwei von fünf Deutschlandfähnchen für dieses Buchi.

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6 Gedanken zu „Marie-Luise Recker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

  1. Pingback: [Kulturgeschwätz] Marie-Luise Recker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – #Literatur

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