Reden über das Buchbloggen. (Auch) An die (mal mehr, mal weniger) Gebildeten unter seinen Verächtern

Es ist ja ein leidiges Thema, das eigentlich schon keinen mehr interessiert, weil es ja alle paar Wochen passiert: Irgendwo erscheint ein Artikel über Buchblogger, die meisten Buchblogger zucken da nur noch mit den Achseln. Ich auch, weil ich ja – sollte es so etwas jemals geben – den Preis für das geringste Engagement beim Bloggen erhalten sollte (vielleicht ein Pokal in Faultierform?). Aber trotzdem dachte ich, dass vielleicht ein oder zwei Dinge dazu noch nicht gesagt sein könnten. Vielleicht wurden sie aber auch schon gesagt und ich habe es übersehen, so oder so: Ergänzungen, Links, abweichende Meinungen bitte in die Kommentare schreiben.

Der eine Artikel, der eigentlich schon etwas älter ist, der aber in den letzten Tagen wieder in meine Filterblase geschwappt kam, ist der Artikel „Buchblogger: wichtig, aber immer noch belächelt“ von Andrea Schwyzer auf SRF. Es handelt sich ja hier um einen vergleichsweise ausgewogenen Artikel, für etwas Aufregung hat dennoch der letzte Satz gesorgt: Ulrike Sárkány, Leiterin der Literaturabteilung von NDR-Kultur meint hier: „Der klassische Feuilleton-Kritiker wird einen Teufel tun und danach schauen, was Blogger auf ihren Seiten schreiben.“

Manche hat das getroffen, mich nicht so, denn siehe oben. Ich (ich versuche hier, möglichst oft „das verpönte ‚Ich‘“ zu verwenden, habe gehört, jedes Mal, wenn ein Blogger „ich“ schreibt, kriegt irgendwo ein Feuilleton-Journalist Migräne) möchte hier dennoch etwas einwenden: Es ist ja nicht nur so, dass klassische Feuilleton-Kritiker den Teufel tun und schauen, was Blogger auf ihren Seiten schreiben (wobei ich gar nicht glaube, dass das auf alle zutrifft). Es ist ja auch vielmehr so: Buchblogger sollten auch den Teufel tun und schauen, was Feuilleton-Kritiker schreiben, zumindest was Schreibstil und Themenwahl betrifft. Warum?

Allen bisher über Buchblogger schreibenden Journalisten, aber auch einigen Buchbloggern, ist ja eins gemein: Sie verstehen das Internet nicht. Zum einen: Es gibt vermutlich Blogger, die wollen tatsächlich vom Feuilleton gelesen werden, ich kann mir das zumindest vorstellen. Der breiten Masse geht es aber um etwas anderes, und ich schrieb das auf facebook bereits einmal in den Kommentaren zu diesem SRF-Artikel: Ich habe die eine Hälfte meines Lebens ohne Internet und die andere mit Internet zugebracht. Überraschenderweise war ein Leben ohne Internet möglich. Trotzdem habe ich das Internet sehr schnell als große Bereicherung und Horizonterweiterung wahrgenommen, denn auf einmal war es möglich, Communitys zu finden, die man zu Hause nicht hatte. Wenn man in der eigenen Klasse beispielsweise die einzige war, die Briefmarken gesammelt hat, und nie mit jemandem darüber reden konnte, weil man dafür nur veräppelt worden wäre, dann hatte man jetzt auf einmal im Internet die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu finden, vor allem in den früher ja weit verbreiteten themenspezifischen Diskussionsforen. Man war auf einmal nicht mehr der Sonderling, sondern Mitglied einer Community, was ja ganz gesund fürs Selbstbewusstsein sein soll, man konnte sein Hobby pflegen und man konnte vor allem dazulernen, kam an Informationen, deren Existenz man davor nicht mal erahnt hätte. Irgendwann, ungefähr zeitgleich mit dem Aufleben von Facebook und dem Niedergang von MySpace, verloren die Diskussionsforen an Usern und Attraktivität, ich vermute, weil eine andere Form von Gesprächskultur auch durch Facebook mit seinen Statusupdates aufkam, die es auf MySpace ja nicht so gab, dort konnte man vor allem Blogbeiträge schreiben und die Profile von anderen kommentieren, nicht primär das eigene. Gespräche im Internet waren jetzt eben zunehmend unterschiedlich lange Statusupdates, kaum mehr Diskussionen. Und damit gewannen ja dann auch Blogs zunehmend an Relevanz, die ja quasi Raum für sehr lange Statusupdates bieten. Natürlich: Es gibt nach wie vor Inseln wie LovelyBooks. Dennoch: Diskussionsforen über Literatur wurden weitgehend abgelöst von Blogs über Literatur. Der Antrieb für die Mehrheit der Betreiber blieb aber identisch: Es geht immer noch um die Community, es geht darum, Gleichgesinnte zu finden und sich mit ihnen auszutauschen. Nach wie vor sagen die meisten Blogger: Ich schreibe für Blogger. Nach wie vor fangen die meisten mit dem Bloggen an, weil sie einen anderen Blog gesehen haben und sich dachten: Das sind aber sympathische, interessante Leute hier, mit denen möchte ich in Austausch treten. Ich persönlich habe mich vor allem gefreut, dass irgendwann Blogger, denen ich selbst folgte, auch mir folgten. Die wenigsten Blogger denken wohl beim Einrichten des Blogs: Ich schreibe jetzt einen Blog über Bücher und werde damit berühmter Literaturkritiker. Das ist aber die Annahme, die Journalisten wieder und wieder an Blogs herantragen, dabei trifft sie halt weitgehend schlichtweg nicht zu. Und darum ist die Kritik auch so kurz gegriffen.

Ganz ähnlich zeigt sich dieser journalistische Blick auf Blogger übrigens auch im Beitrag „Am Katzentisch der Literaturkritik“ von Sandra Trauner, wenn Stefan Mesch Folgendes bedauert: „Was ihn stört, ist «dass die meisten Blogger zu positiv und zu respektvoll sind. Mir sind das zu oft Empfehlungen und zu selten Warnungen.» Zwischen all den «Liebeserklärungen» vermisst er Härte, Biss, ein klares Urteil – «mir ist das oft zu kuschelig».“ Abgesehen davon, dass im Feuilleton auch selten wirkliche „Warnungen“ zu lesen sind, ist halt gerade das, was hier schon abwertende als „kuschelig“ benannt wird, vielleicht eines der Kennzeichen einer Community. Vor allem aber ist es halt so, dass viele Blogger, die ja kein Geld für ihre „Lesearbeit“ bekommen, Bücher, die sie nicht mögen, schlichtweg nicht bis zum Ende lesen und dann logischerweise auch keinen Verriss schreiben. Vielen ist ihre Zeit zu schade, um sich aufzuregen. Das ist nicht „unkritisch“, sondern ein Privileg von jemandem, der lesen kann, was er mag.

Zum anderen aber: Der wesentliche Grund dafür, warum Blogger den Teufel tun und Feuilleton-Kritik lesen sollten, ist ein anderer, und auch hier verstehen viele Journalisten aber auch einige Buchblogger das Internet nicht: Online funktioniert anders als Print. Man hat oft versucht, dass Journalisten und Buchbloggern zu erklären, andere Blogs und etliche SocialMedia-Profis haben sich den Mund fusselig geredet dazu, aber irgendwie scheint das nicht bei allen anzukommen. Wenn man sich die Bandbreite der Onlinemagazine ansieht, sieht man da viele Ableger großer Printzeitungen (SpiegelOnline, ZeitOnline, wie sie alle heißen), die vor allem deswegen Zulauf haben, weil sie die vermeintliche gratis-Ausgabe der Print-Zeitung sind, diese Onlinezeitungen funktionieren also nicht deswegen gut, weil sie gut ans Internet angepasst wären, sondern weil sie eben von vorn herein einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten. Folglich sind diese Onlinezeitungen auch den Printausgaben recht ähnlich in Schreibstil und Themenauswahl. Und jetzt denken viele Journalisten und eben auch einige Blogger: Ok, online schreiben ist wie für Print schreiben, nur das Medium ist anders. Das funktioniert aber eben nur, wenn man vorher schon einen Namen hatte, mit dem es gelingt, Print-gewöhnte Leser im Internet an sich zu ziehen. So funktioniert das eben nicht, wenn man ein reines Onlinemagazin oder einen Blog machen will. Dass sich Onlinejournalismus in der Themenauswahl und im Schreibstil von Printjournalismus und seinen Onlineangeboten unterscheidet, sieht man, wenn man eben Seiten wie die HuffingtonPost oder die Vice (ja, sie hat einen Printableger, wird aber mehr online als im Print gelesen und im Gegensatz zum Spiegel wird hier ja allgemein eher die Printausgabe als sekundär zum Onlineangebot wahrgenommen) ansehen. Der Schreibstil ist subjektiver und persönlicher, es werden stärker Bilder, Grafiken, gif und Videos einbezogen, die Themen sind andere, sind mitunter auch aus Sicht der etablierten Zeitungen „albern“. Und vor allem: Es wird von vorn herein auch auf Interaktion abgezielt. Aber so funktioniert eben Onlinejournalismus. Wenn Buchblogger nun hingehen und sich das Print-Feuilleton zum Vorbild nehmen und meinen, es reiche aus, wenn sie einfach dessen Stil kopieren, kommen sie halt nicht sehr weit im Internet. Denn zum einen werden schlichte Buchkritiken (leider! Kann man da irgendwie etwas tun, um das zu ändern?) viel seltener gelesen als Beiträge über allgemeinere Themen (das Lesen, Bücher kaufen, was auch immer) oder vor allem als Rants. Zum anderen funktioniert Bloggen, weil es eben im Internet stattfindet, eben nur über Vernetzung und Interaktion, nicht nur mit anderen Bloggern – und ja, dazu müsste man andere Blogs auch wirklich lesen und vielleicht sogar mal kommentieren –, sondern auch von unterschiedlichen Medien: Ein Blog ohne Twitter, Facebook, Instagram etc.etc. wird eben nicht dieselbe Reichweite erreichen wie einer mit. Ich persönlich trauere ja immer noch den Diskussionsforen hinterher, weil ich finde, dass so zusammenhängende Gespräche über Bücher wie sie dort möglich waren auf Blogs nahezu unmöglich sind. Aber das liegt vermutlich an mir, ich gebe mir wohl da auch zu wenig Mühe. Das kann ich ja mal auf meine to-do-Liste setzen. So oder so: Wer mit seinem Blog darauf abzielt, sich zu „professionalisieren“ im Sinne von: große Reichweite, Finanzierungsmöglichkeiten, Onlinemagazin statt Blog, der wird das nicht damit erreichen, dass er das Feuilleton in Stil und Themenauswahl kopiert, einfach seinen Blog mit entsprechendem Content füllt und ansonsten nicht interagiert, weil ihm der Rest dieser Blogger irgendwie zu blöd ist oder man auf das Gespräch mit den Lesern eigentlich keinen Wert legt, weil sie einen nur als Klick in der Statistik interessieren, nicht aber als Leser. Und es reicht auch nicht, seinen Blog einfach in „Magazin“ oder „Zeitschrift“ oder „Zeitung“ umzubenennen.

Das haben meinem Eindruck nach gerade ein paar Buchblogger nicht verstanden (bitte beachten: Alles jetzt Folgende ist mein subjektiver Eindruck, ich verbringe aber gar nicht so viel Zeit mit Blogs, weil ich nicht so viel Zeit habe, darum bitte Korrekturen meiner vielleicht schiefen Weltsicht in die Kommentare schreiben! Zudem: Ich beziehe mich hier wirklich nur auf Einzelne, es gibt auch zahlreiche Gegenbeispiele!), die sich mit sog. „anspruchsvoller Literatur“ beschäftigen. Denn diese sind meinem Eindruck nach deutlich schlechter vernetzt als Buchblogs zu Genre- oder Jugendliteratur oder Booktuber. Wo diese beispielsweise immer wieder durch gemeinsame Aktionen oder Hashtags oder wechselseitige Blogvorstellungen ihre Community pflegen, gibt es unter der ohnehin schon etwas kleineren Gruppe der „Literaturblogger“ (zu diesem Terminus gleich mehr) meinem Eindruck nach schon ein paar, die die Bedeutung von Vernetzung nicht erkannt haben (ich vernetze auch kaum, aber eher aus Verplantheit, nehme mir aber immer wieder vor, das zu ändern. Vielleicht schaffe ich das eines schönen Tages ja sogar). Und dann ist ja da auch noch dieses Bedürfnis nach Distinktion: Es gibt nur wenig Vernetzung zwischen Bloggern zu sog. „anspruchsvoller Literatur“ und dem Rest der Buchblogger bzw. Booktuber. Natürlich, man liest andere Bücher, da wird man nicht so schnell ins Gespräch kommen, und das ist ja auch ok. Aber bei den anderen Sachen, bei diesen Hashtag-Geschichten und Aktionen, da könnte man ja mitmachen. Und wenn man darauf keine Lust hat, weil einen das thematisch nicht anspricht, was ja auch ok ist, könnte man wenigstens diese Unterscheidung in „Buchblogger“ und „Literaturblogger“ vielleicht noch mal überdenken. Ich hätte nicht bemerkt, dass die Buchblogger sich auch in Grüppchen wie „Krimiblogger“, „Young Adult Blogger“, „Kochbuchblogger“ o.ä. aufspalten und dann unter sich bleiben. Meinem Eindruck nach sind es allen voran die „Literaturblogger“, die hier ihr eigenes Grüppchen bilden und die Unterscheidung sogar noch mit einem eigenen Namen offensichtlich wollen, die also nicht „mit dem Rest in einen Topf geworfen werden wollen“. Der Schluss liegt nahe, dass es hier um Distinktion geht, dass hier also das Gefälle zwischen sog. „Hochkultur“ und „Unterhaltungskultur“ reproduziert wird. Dass man aufgrund von Interessen eigene Untergruppen bildet ist denke ich normal. Vielleicht könnte man sich wenigstens innerhalb dieser Untergruppen noch besser vernetzen. Vielleicht könnte man trotzdem hin und wieder den Blick aus der eigenen Untergruppe heraus wagen. Und vielleicht könnte man diesen Wunsch nach Abgrenzung vom „Rest“ und den Begriff „Literaturblogger“ noch einmal überdenken.

Mir kann das alles ja bums sein. Weil: Ich bin ja schrecklich unambitioniert. Aber: Wenn jemand Ambitionen hat, sollte er solche Dinge vielleicht bedenken. Und wenn ein Journalist malwieder über Blogger schreiben will, sollte er vielleicht davor versuchen, das Internet als eigenständiges Medium mit eigenen Regeln ernst zu nehmen und zu verstehen. Sonst drehen wir uns im Kreis.

P.S.: Tilman ist übrigens der Allerallercoolste! Das musste mal gesagt sein.

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30 Gedanken zu „Reden über das Buchbloggen. (Auch) An die (mal mehr, mal weniger) Gebildeten unter seinen Verächtern

  1. buzzaldrinsblog

    Liebe Katharina,

    du bohrst hier schon wieder ein ganz schönes dickes Brett – in vielen Dingen muss ich dir dieses Mal aber tatsächlich zustimmen. Gerade auch beim letzten Punkt: ich habe manchmal das Gefühl, dass die sogenannten „Literaturblogger“ ihren Blog vermehrt als Publizierungsorgan und nicht als Interaktionsmedium nutzen – man bleibt für sich oder (das ist das höchste der Gefühle) in einer kleinen und abgeschotteten Gruppe. Das funktioniert in anderen Genregattungen tatsächlich deutlich besser, dort wird der Bloggedanke als Communityform tatsächlich gemeinsam gelebt.

    Ich befürchte nur, dass es keine Lösung für dieses Problem gibt. Und das ist auch immer ein wenig das, was mich an Forderungen wie denen von Stefan Mesch stört: wenn er gerne Warnungen lesen möchte, dann sollte er einen solchen Blog eröffnen und selbst warnen. ich habe keine Lust in meiner Freizeit Bücher zu lesen, die ich scheiße finde (außer ich kriege dafür 300€).

    Am Ende muss wahrscheinlich jeder für sich entscheiden, was er sein möchte und wo er sich sieht – ich freue mich auf jeden Fall über unsere große Buchblogcommunity von der ich gerne ein Teil bin.

    Liebe Grüße
    Mara

    Antwort
      1. buzzaldrinsblog

        So ganz verstehe ich deine Anmerkung nicht – ich schreibe, dass ich Forderungen, die an Blogger von außen herangetragen werden, doof finde. Jeder sollte das, was er selbst gerne lesen möchte auch selbst umsetzen – wenn Stefan das auf seinem Blog tut, dann ist es doch umso besser.

  2. Pingback: [Kulturgeschwätz] Reden über das Buchbloggen. (Auch) An die (mal mehr, mal weniger) Gebildeten unter seinen Verächtern – #Literatur

  3. Silvia

    Viel Wahrheit in deinem Text. Am Anfang meines Bloggerdaseins dachte ich normale Leser mit meinen Rezensionen ansprechen zu können. Es hat was gedauert, bis ich merkte, dass fast nur Blogger Blogs lesen. Seitdem klappt das auch mit der Vernetzung. Beim nächsten doofen Buch schicke ich dem Mesch mal eine Warnung. Beim nächsten guten Buch auch. Wegen der Suchtgefahr…

    Antwort
  4. buchrevier

    Aber abgesehen von den fehlenden Absätzen finde ich deine Ausführungen sehr treffend. Gerade im Netz zeigt sich: erfolgreich ist nur der, der seinen eigenen Stil hat und nicht versucht, etwas zu imitieren. Gerade das Beispiel VICE zeigt wunderbar, dass Online und Print zwei Welten mit eigenen Gesetzen sind.

    Es geht nicht darum, unbedingt Härte oder Biss zu zeigen – das passt nicht zu jedem. Aber ein klares Urteil sollte man erwarten dürfen. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Blogs. Da zeigt sich, wer den Mut hat, auch mal gegen den Strom zu schwimmen, wer Kritik belegen kann und sich nicht vor lauter Ehrfurcht in die Hosen macht. Du bist so eine Bloggerin, der Herr im P.S. und noch ein paar weitere Blogger ebenso. Und das sind auch die Blog, die mich nachhaltig interessieren.

    Wenn aber an der Bereitschaft, immer und sofort auf Beiträge und Kommentare einzugehen, die Blog- und Online-Tauglickeit gemessen wird, dann bin ich persönlich auch raus. Ich finde es zwar immer wieder interessant, mich durch einen lebhaften Kommentar-Thread zu klicken, aber selber mitmachen ist mir oft zu zeit- und kraftraubend.

    (Guck mal, wie schön das aussieht und wie angenehm es zu lesen ist, wenn so einen Text mit Absätzen gegliedert ist)

    Antwort
    1. kulturgeschwaetz Autor

      Keine Ahnung, was da steht, ich sehe vor lauter Absätzen den Text gar nicht.
      Und: Jeder ist anders. Wenn du nicht so viel kommentierst, weil das nicht dein Ding ist, darfst du trotzdem bei uns mitkuscheln.

      Antwort
    2. SätzeundSchätze

      Absätze sind doch was für Printleute. (ACHTUNG TOBIAS: Das war jetzt reine Ironie ohne Bildchen – oder wie die Internetleute dazu sagen). Ansonsten kann ich vieles im Beitrag und auch in deinem Kommentar unterstreichen.
      Klares Urteil, belegbare Kritik und ein von mir geliebtes Kriterium: Authentizität.
      Allerdings: Ich finde diese Dreifaltigkeit mittlerweile in zuwenig Blogs. Je mehr Blogs, desto mehr „Mainstream“, ist mein Eindruck.
      Viele Grüße, Birgit

      Antwort
  5. de Chareli

    Als ehemaliger Nachrichten-Redakteur habe ich etliche unrühmliche Begegnungen und Wortgefechte mit „klassischen Feuilleton-Kritikern“ in Redaktionskonferenzen gehabt, und ich sage nur: Zum Teufel mit ihnen. Was sie, die Kritiker, schreiben, ist völlig irrelevant. Die meisten sind selbst irrelevant, denn sie schreiben größtenteils am Markt vorbei. Eine unverständliche, elitäre Sprache soll oft über Mangel an Interesse, Wissen oder Kreativität hinwegtäuschen. Die meisten besprochenen Bücher haben sie nicht gelesen oder allenfalls überflogen. Sie pflegen den distinguierten Umgang mit Verlagsvertretern und parlieren gescheit auf Büchermessen. Wenn sie ins Fernsehen kommen, wunderbar, dann gehören sie zu den sogenannten „wichtigen Menschen“.
    Das alles hilft aber nichts: Das Feuilleton wird von immer weniger Lesern gelesen, und mit den Lesern sterben auch die Feuilleton-Kritiker aus. Daher gebührt motivierten, interessierten und daher oft sich selbst weiterbildenden Literatur-Bloggern die Zukunft. Sie schreiben mehrheitlich weil es Spaß macht und sie den Lesespaß teilen möchten. Das ist eine ganz andere Motivation und entsprechend gut ist oft auch das Produkt, also die Rezension. Natürlich, als Musik-Blogger plädiere ich hier pro domo. Klassische Musik zu vermitteln ist noch schwieriger als Literatur, die Kundschaft nich kleiner, junge Menschen zu begeistern eine wöchentliche Herausforderung. Aber die Lage in der Musikszene sueht ähnlich aus: Das Violinkonzert von Beethoven in der 48. Variante wird besprichen, aber wenn ein Orchester es wagt, ein neues Werk einer jungen italienischen Komponistin zu spielen, gar uraufzuführen sind es dem Rezensenten gerade einmal zwei Zeilen wert. Feuilleton? Nein danke!

    Antwort
    1. kulturgeschwaetz Autor

      Ah, wie cool, das hatte ich gar nicht auf dem Schirm – natürlich gibt es auch Blogs für klassische Musik. Sowas will ich lesen! Leider geht der Link zu deinem Blog irgendwie nicht, wenn ich auf deinen Namen klicke – kannst du mir den Link hier vielleicht nochmal schicken? Danke!

      Antwort
      1. de Chareli

        dechareli.lu Ist aber auf Englisch, da meine wenigen Leser quer über den Globus verstreut sind und ichveinfach mal nach 15 Jahren „Auf Deutsch schreiben“, sehen wollte wie weit ich auf Englisch komme. Eigentlich wollte ich den Blog auch mal auf Deutsch übersetzen aber nach > 150 Beiträgen schrecke uch irgendwie vor dem Aufwand zurück! 😅

  6. Devona

    Stimme zu, inhaltlich und auch…also es gibt ja Leute, die haben ein gewisses Alter überschritten. Die brauchen Absätze. Danke dafür. Hab beim eigentlichen (inhaltlich garantiert auch sehr guten )Text wirklich Probleme gehabt damit. Hätt ihn gerne komplett gelesen, aber mir sind echt Zeilen „weg gekippt“.

    Antwort
    1. kulturgeschwaetz Autor

      Ja, tut mir leid, ich schreib halt so. Ich habe mich schon etliche Male bemüht, anders zu schreiben und mehr Absätze zu machen, aber ich schreib halt so. ch bin mir dessen bewusst, dass auch das eine ausschließende Sprache ist, das ist aber nicht meine Intention. Sorry.

      Antwort
  7. Thomas

    Ein klasse Artikel, spricht mir aus der Seele.
    Warum es manchmal eine gefühlte (bin mich nicht sicher, ob es wirklich eine echte gibt) Trennung von Buch- und sog. Literaturblogs gibt, habe ich auch bisher nicht verstanden. Jeder darf doch über die Bücher schreiben, die er mag und da die lesenden Blogger derzeit eher jünger sind, bilden auch die gelesenen Bücher das entsprechend ab und das ist auch gut so.

    Jeder kann sich ja die Blogs raussuchen, die einem gefallen. Mir geht es auch so, dass ich leider aus Zeitgründen nicht so viele Blogs besuchen kann, wie ich gerne möchte,schaue mir aber immer wieder gerne die unterschiedlichsten an.

    Es wird in den kommenden Jahren interessant sein zu sehen wie sich die verschiedenen Blogs entwickeln, denn ich bin mir sicher, dass sich der Buchgeschmack im Laufe eines Leselebens ändert. Ich freue mich drauf.
    Liebe Grüße
    Thomas

    Antwort
  8. Moni2506

    Ein sehr interessanter und guter Beitrag!
    Bei vielen Punkten kann ich dir zustimmen, auch wenn ich selber noch nicht so lange blogge.
    Gerade das mit den sympathischen Leuten und dem Austausch spricht mir aus der Seele. Ich hatte von außen betrachtet immer das Gefühl, dass da sehr viele Menschen sind, die nett und respektvoll miteinander umgehen und sich ihrem liebsten Hobby, dem Lesen, widmen und da wollte ich mitmachen.
    Ich habe mir glaube ich auch noch nie eine Leseempfehlung aus dem Feulliton (keine Ahnung, ob das richtig geschrieben ist) geholt, da sprechen mich persönlich andere Blogs einfach viel mehr an, weil ich dort für mich persönlich viel besser erfassen kann, ob ein Buch für mich interessant ist oder nicht.

    Antwort
  9. Bersarin

    Daß viele Buchblogger bereits im so oft kritisierten Mainstream angekommen sind und es dem Feuilleton nachtun, zeigt sich daran, daß zum großen Teil genau die Bücher besprochen werden, über die auch das Feuilleton berichtet. Insofern sehe ich da, bis auf die Schreibweise, kaum einen Unterschied. Dabei wäre es doch gerade der Bücherbloggerin, dem Blogger ein leichtes, über das zu schreiben, was abseits der ausgetretenen Pfade verstreut oder versteckt am Wegesrand liegt, als Perle der Literatur, und was vom Feuilleton nicht abgegrast wurde, zu betrachten: so bietet gerade die Lektüre der Klassiker ein gutes Feld. Bücher, die vor 10, 20, 30 Jahren erschienen. Kein Feuilleton der Welt wird noch einmal eine Besprechung der „Jahrestage“ oder von „Fluß ohne Ufer“ bringen: Standardsatz: Thema ist durch. Weshalb nicht mal wieder etwas zu Günter Grass schreiben? Machen jedoch wenige Blogger. Es wird sich aufs Neue kapriziert. Und auch ich stürze mich natürlich auf den Kracht. Insofern denke ich, daß sich Blogs immer noch viel zu sehr am Feuilleton orientieren. Auch wenn durch einen subjektiven Stil, der gepflegt wird, die Distinktion geübt wird. Ob’s immer glückt, liegt im Auge des Betrachters, um es mal freundlich-subjektivistisch zu formulieren

    Interessant ist es, wie seit einigen Jahren der Buchmarkt auf Blogger reagiert und ihnen eine gewisse Reputation verschafft, so etwa bei einem interessanten Projekt wie den Buchpreisbloggern. Im Grunde eine win-win-Situation, und insofern ist die Frage nach der Bezahlung eigentlich überflüssig: Die Währung heißt Reputation. Der Unterschied zwischen Feuilleton und Blogger: Diese machen es aus Leidenschaft, jenen ist es Beruf (und ebenso natürlich Berufung). Profis gibt es inzwischen auf beiden Seiten.

    „Buchblogger sollten auch den Teufel tun und schauen, was Feuilleton-Kritiker schreiben, zumindest was Schreibstil und Themenwahl betrifft.“ Dem widerspreche ich. Es gibt Kritiker, von denen kann man etwas lernen, was den Stil betrifft. MRR war ein solcher Kritiker. Dazu sollte sich kein Blogger zu schade sein. Schließlich ist auch Literaturkritik Sprache, nicht anders als es die kritisierten Romane sind. Und wer sein Metier beherrschen möchte, der schaue über den Beckenrand. Gutes Bloggen hängt am Stil. Klug, unterhaltsam, interessant, lehrreich und dennoch mit Tiefsinn. Und was das wichtigste mir scheint: Esprit und Witz. Also auch mal ältere Kritiken lesen und sich inspirieren lassen.

    Richtig ist allerdings, daß Blogger wie auch das Feuilleton die unterschiedlichen Mittel und Möglichkeiten zwischen Print und Online stärker in den Blick bekommen sollten. Im Internet kann ich Text und Video und Verlinkungen koppeln, kann ein Netz von unendlichen Bezügen erzeugen, kann rhizomartig mich verästeln. All die alten neuen Spiele. Das wird wenig genutzt.

    Ich selber berücksichtige diese neuen Möglichkeiten des Digitalen allerdings auch nicht, weil meine Texte genausogut als Print erscheinen können und die multimediale Aufbereitung mir zu mühsam ist. Das Internet ermöglicht mir allerdings eine Multiplikation von Texten, die im analogen Zeitalter so nicht möglich gewesen wäre. Ein Magazin zu drucken und dann auch noch zu vertreiben, kostet Zeit und vor allem Geld.

    Aber wie es so ist in unseren Zeiten: Die Themen kommen, sie steigern sich zu kurzen Schlachten und Disputen, sie verschwinden wieder, weil Neues auf den Markt tritt, und nach einigen Jahren tauchen die alten Debatten in neuem Gewand wieder auf. Die Buchblogs sind so ein Thema. Mal schauen, wie es in fünf Jahren steht. In den letzten fünf hat sich in der Bloglandschaft einiges getan. Die Frage nach der Funktion und dem Verfall der Literaturkritik ist auch so ein Dauerbrenner. Wie sich Literaturkritik veränderte, kann man übrigens gut begreifen, wenn man sich mal ein beliebiges Feuilleton der „Zeit“ oder der FAZ aus dem Jahre 1986 nimmt und eines aus dem Jahre 2016 und beide Bücher nebeneinander legt.

    Antwort
  10. Maike

    Gut auf den Punkt gebracht. Nur an einer Stelle bin ich anderer Meinung. Du sagst:
    „Buchblogger sollten auch den Teufel tun und schauen, was Feuilleton-Kritiker schreiben, zumindest was Schreibstil und Themenwahl betrifft.“
    Ich werde regelmäßig im Feuilleton fündig, was ungewöhnliche Sprache betrifft. Zuzegeben, häufig dreht es sich dann nicht um Literatur sonder zum Beispiel um Architektur. Aber wenn die Verfasserin des Textes (oder der Verfasser) mit Verve dabei ist, merkt man das der Sprache an und dann ist es auch ein Genuss, den Text zu lesen.

    Antwort
  11. Petra Gust-Kazakos

    Sehr gut (auch ohne Absätze)!
    Was das Vernetzen angeht, habe ich schon das Gefühl, dass es stattfindet. Ebenso wie Gespräche, wobei ich glaube, dass solche gut geschriebenen & durchdachten Meta-Artikel besonders zum Kommentieren animieren.

    Antwort
  12. Christian Weis

    „Vor allem aber ist es halt so, dass viele Blogger, die ja kein Geld für ihre „Lesearbeit“ bekommen, Bücher, die sie nicht mögen, schlichtweg nicht bis zum Ende lesen und dann logischerweise auch keinen Verriss schreiben. Vielen ist ihre Zeit zu schade, um sich aufzuregen. Das ist nicht „unkritisch“, sondern ein Privileg von jemandem, der lesen kann, was er mag.“
    — So ist es. Und prinzipiell ist das auch gut so.
    Wer Verrisse lesen möchte, wird die auch finden. Allerdings sind diejenigen, die nach nur wenigen gelesenen Seiten und dann weggelegtem Buch geschrieben werden, selten lesenswert …

    Antwort

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