Toni Morrison – Heimkehr

9783498045258Nach Hause zu kommen war in der Literatur noch nie leicht, das wissen wir ja schon seit Homers „Odyssee“ – man irrt immer ein bisschen herum, muss allerlei Gefahren durchleiden und gegen manchen Feind oder gar ein Monster kämpfen und im Handumdrehen sind ein paar Jahre vergangen und eigentlich ist es auch schon fast zu spät. Und weil das alles ein ziemlicher Aufwand ist, meint „Heimkehr“ nicht einfach, in die eigenen vier Wände zurückzukommen, sondern seinen Platz in der Welt, inneren Frieden zu finden.

Auf der Suche nach einer solchen „Heimkehr“ befinden sich in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts inmitten des rassistisch geprägten Amerikas der vom Tod der Freunde traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrende Frank „Smart“ Money und seine Schwester Cee. Um herauszufinden, wo man hingehört, muss man erst einmal die Welt gesehen haben, und so verlassen beide ein paar Jahre zuvor schon jung ihr Heimatdorf, in dem sie – vor allem Cee – wenig Zuneigung und vor allem nie das Gefühl erfahren haben, am richtigen Ort und erwünscht zu sein. Smart zieht in den Krieg und kann nach seiner Rückkehr die Erinnerungen nur durch Alkohol betäuben – er leidet nicht nur unter dem Rassismus Amerikas, sondern auch unter sich selbst. Cee heiratet den falschen Mann, nimmt den falschen Job bei einem Monster von einem Arzt an – und kann in letztem Augenblick von ihrem Bruder aus dessen Fängen befreit werden. Die Geschichte der beiden ist so voller Leid, dass selbst der in der Rahmenhandlung zum Erzählen auffordernde Frank mit gutem Grund bezweifelt, dass diese Geschichte überhaupt erzählt werden kann. Tatsächlich kann man solche Dinge nicht beschreiben, nicht schildern, wohl auch kaum erzählen – aber in gewisser Weise vielleicht singen, und eben dies tut Toni Morrison mit ihrer stellenweise nahezu lyrischen Sprache, die dieses Buch so wunderbar macht.

Da mag auch der kleine Wermutstropfen, dass das Happy End, die gelungene Heimkehr, die sogar die Leichen und Traumata der Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes begraben kann, doch sehr herbeigeschrieben und ein wenig platt wirkt, auch zu verschmerzen sein. Vielleicht ist es nicht der größte Wurf Toni Morrisons. Mag sein, dass sie das Potential der Geschichte und ihrer Fähigkeiten nicht voll ausgeschöpft hat. Aber hin und wieder braucht man auch mal ein Happy End, und darum ist dieses Buch eine Bereicherung.

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