Terézia Mora – Der einzige Mann auf dem Kontinent

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Terezia Mora ist mit „Das Ungeheuer“,  dem „Nachfolgeroman“ zu „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Und das ist doch mal ein Anlass, um über „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ zu reden. Von der Autorin und eben diesem Buch habe ich erstmals 2010 bei der Verleihung des Adelbert-von-Chamisso-Preises erfahren, die Thematik wirkte spontan unglaublich spannend, Sigrid Löffler sang eine Lobeshymne auf das Buch, so einfach ist das: Ich wollte das unbedingt lesen.

Dargestellt wird eine Woche im Leben des Darius Kopp, eine Informatikers und Fachmannes für die Sicherheit von drahtlosen Netzwerken. Darius besteht darauf, zufrieden zu sein, ein schönes Leben zu haben – auch, wenn all seine Kommunikationsversuche über das Internet mit seiner Firma scheitern, auch, wenn er nicht merkt, wie seine Frau ihm entgleitet, weil er sich lieber im Internet von Nachrichten berieseln lässt, auch, wenn sich familiäre und soziale Katastrophen ankündigen, die verdrängt werden, fast lästig scheinen, dem „schönen Leben“ zuliebe.

Gelesen habe ich dann praktisch ein Jahr lang an dem Buch, was kein gutes Zeichen bei mir ist, ich habe immer wieder doch lieber etwas anderes gelesen, musste mich oft zum Weiterlesen durchringen, denn: Darius Kopp, einer dieser stets ungemein geschäftigen Anzug-Handy-Aktenköfferchen-Typen, ist stets bemüht, an seinem Alltag (und auch den nicht-alltäglichen Geschehnissen in diesem) so wenig wie möglich direkt teilhaben zu müssen, was oberflächlich den Eindruck erzeugt, dass nichts passiert. Zudem wird er leider dadurch auch nicht unbedingt eine interessante oder auch nur ansatzweise sympathische Figur, wenn auch sicher eine sehr aktuelle. All das erzeugt ein gewisses Maß an Leere, man will eigentlich gar nicht wissen, wie es weitergeht, weil es dem Leser mit der Zeit fast genauso egal ist wie dem Protagonisten. Aber eben diese Leere ist sicher für dieses Buch dringend notwendig, denn genau darum geht es ja: Oberflächliche Geschäftigkeit, die eigentliche Leere verdeckt, die wiederum das verdrängt, was wichtig wäre. Klug gemacht ist das schon, wenn auch die Verstrickung Darius Kopps in seine privaten (Nicht)Angelegenheiten, die das Buch dominiert, dem Buch die Möglichkeit zu einer tiefergehenden Analyse und Kritik der globalisierten Web 2.0-Gesellschaft nimmt, denn am Ende steht halt doch die Figur Darius Kopp im Zentrum.

„Der einzige Mann auf dem Kontinent“ ist sicher ein kein schlechtes und zudem ein sehr aktuelles Buch, eine Diagnose zur Web 2.0-Zeit und ihrer merkwürdigen Art der Kommunikation, und nebenbei bemerkt ist die sprachliche Gestaltung sehr gelungen. Es bleibt aber die Frage, ob eine gute Idee und eine wirklich sehr schöne Sprache reichen, um ein wirklich gutes Buch daraus zu machen, zumal die Figur Darius Kopp dem Anliegen in gewisser Weise im Wege steht – sowohl was die Dramaturgie des Romans, als auch was die kritische Analyse der Gegenwart betrifft. Ich bezweifle, dass dieses Buch jemanden wirklich zum Nachdenken bringt, kann mir aber vorstellen, dass viele es toll finden, sich der Figur beim Lesen vermeintlich überlegen zu fühlen – und genau das ist das Problem: Das Buch tut dem Leser zu wenig, obwohl es der Thematik entsprechend dem Leser wohl etwas tun müsste.

Und obwohl das Buch mich so gelangweilt hat, würde ich sofort wieder etwas von Terezia Mora lesen, denn sie ist sicherlich eine sehr kluge Autorin, die sehr gut schreiben kann. Ich bin also gespannt auf „Das Ungeheuer“.

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